Montag, 9. Dezember 2013

Eine Zugfahrt, die ist...

Man muss wirklich nicht um die halbe Welt reisen, um eine verrückte Zugfahrt zu erleben.
Dritter Dezember, Dresden-Hamburg, sechs Uhr morgens, Wagen acht.
Auf meinem Platz sitzt Einer, hat die Schuhe ausgezogen und die Füße hochgelegt.
Das ist mir egal, er ist nett und ich setze mich gegenüber hin, weil genug Plätze frei sind.
Die Anzeige der Bahn stimmt ohnehin nicht. Dafür, dass ich vier Euro für die Reservierung bezahlt habe, wird mein Sitz als frei angezeigt. Immerhin hat die Zugbegleiterin gute Laune.
Draußen ist es noch finster, um mich herum einige schlafende Herren und eine muntere Dame, welche ein Manuskript durcharbeitet.
Cappucchino? Nein, danke.
Zwei Seniorenpärchen steigen zu, suchen ihre Plätze. Bereits beim Hinsetzen übernehmen die Weiblichkeiten die Unterhaltung des Abteils. Meine Schwiegertochter ist auch über 50 und arbeitet viel zu viel. Sie darf keinen Fehler machen mit den ganzen Gehaltsabrechnungen. Immer macht sie Überstunden. Es gibt nur noch zwei Vollzeitstellen dort. Sag mal, Herbert, fahren wir mit Diesel oder elektrisch? Elektrisch.
Ich lege mein Magazin zur Seite. Einen Artikel habe ich geschafft: "zehn arten, wie man in einer situation sterben kann" von Kirsten Fuchs. Sehr witzig! Aber ich sitze im Live-Studio.
Die Dame mit dem Manuskript eröffnet das Telefonforum mit der Volkssolidarität um einen Pflegeheimplatz für ihren Onkel. Er stürzt ständig, kann sich nicht allein Essen kochen. Und dann die Körperhygiene. Sie wissen doch, dass er stark übergewichtig ist. Wie soll das funktionieren, wenn er mit seiner Hand nicht an den Allerwertesten kommt? Am Sonntag wird er aus der Kurzzeitpflege bei Ihnen entlassen. Wie soll das weitergehen?
Wer privat versichert ist, den kann die Volkssolidarität nicht aufnehmen, erfahre ich. Aha. Reisen bildet!
Die meisten Herren um mich herum schlafen nun nicht mehr und wir tauschen vielsagende Blicke. Eventuell hatten wir alle gleichzeitig das Bild vom dicken alten Herren mit heruntergelassener Hose und zu kurzen Armen vor unserem geistigen Auge.
Kaffee? Nein, danke.
Berlin Spandau. Neue Leute steigen ein. Da wird der letzte Schläfer plötzlich munter, stürzt hektisch durch den Gang zur Tür, verliert seinen Mantel, bekommt ihn zugereicht und verlässt den Zug glücklich im letzten Moment. Die wacklige Omi, die mit ihrem Gatten die Sitze neben mir belegt, findet das Handy ihres Vorgängers auf dem Sitz. Zu spät. Ich will ihr den Koffer in die Gepäckablage heben, doch sie hat Angst, dass ihn in Sylt keiner wieder herunter holt. So sitzt sie kerzengerade mit Koffer zwischen den Knien am Tisch. Ich bewundere sie fast dafür, diese anstrengende Haltung bis Sylt durchhalten zu können.
Was wohl alles im Köfferchen ist?
Eine Viertelstunde später erfahre ich, was NICHT darin ist: die Unterhemden für den Gatten.
Was willst du dann anziehen?
Er deutet brav auf sein kariertes Hemd und den wärmenden Pullover darüber.
Die waren alle frisch gelegt! Was willst du dann anziehen?
Ohne Regung im Gesicht wiederholt er leise: Na das, und zupft am Hemdkragen.
Die waren alle frisch gelegt.
Sein Blick wandert nach draußen.
Die waren alle frisch gelegt.
Ich häkle eine Mütze für einen Zwölfjährigen und da das Muster einfach ist, kann ich die Wiederholungen des Hemden-Mantras mitzählen. Sechsmal: Die waren alle frisch gelegt. Leider erfahre ich nicht, um wie viele es sich handelte, denn die Schaffnerin kommt und die Unterhemdenlegerin gibt das gefundene Handy ab.
Draußen fliegt der Nebel vorbei.
Da die Schwiegertöchterstorys endgültig erschöpft sind, tauscht die Altherrenriege technische Details aus. Auf dieser Strecke wurden vor dem Krieg erstmals Doppelstockwagen eingesetzt. Sechziger Baureihe. Aha. Reisen bildet.
Doch sofort beteiligt sich eine der Ehefrauen an der Diskussion und weiß zu berichten, dass eine ihrer Freundinnen dereinst von Riesa bis Gröditz beim Lokführer mitfahren durfte. Die war vielleicht stolz.
Auch mit der Gefahr, etwas Bildung zu verpassen, laufe ich zum Speisewagen, um mir einen Tee zu holen.
Dafür muss ich etliche Wagen passieren und fühle mich beim Hinausschauen wie auf einem superschnellen Laufband im Flughafen. Einsteins Relativitätstheorie. Welche Geschwindigkeit hat der heiße Tee in meiner Hand? Der Bordcomputer hilft mir weiter. Wir fahren gerade 195 kmh, 198, 197...
Ich verweile vor meinem Wagen und nehme mir vor, aufs Display zu starren, bis mein Tee mit mir gemeinsam 200 kmh erreicht hat. Geschafft! Mit den letzten Schritten sind mein Getränk und ich über 200 kmh schnell. Wir sind nicht angeschnallt, aber mein Tee hat wenigstens einen Plastehelm auf. Den Gedanken, was bei einem frontalen Zusammenstoß geschehen würde, verfolge ich dann doch nicht weiter.
Die Mütze ist fertig. Schwarz mit Neonrot.
Die "Analphabetin, die rechnen konnte" packe ich ungelesen in den Rucksack.
Hamburg.
Nach knapp fünfstündigem Kammerspiel.
Nach über einem Viertel Jahr darf ich gleich Lotti in die Arme schließen.
Wenn das kein Happy End ist!


Donnerstag, 28. November 2013

Anders reisen


Nach zweimonatigem Schlaf in fremden Betten möchte ich in diesem Post drei besondere Formen des Übernachtens und Reisens vorstellen.
1. WWOOFING
Wenn du bereit bist, täglich 4 bis 6 Stunden auf einer Öko-Farm zu arbeiten, bekommst du freie Kost und Übernachtung. Manchmal auch mehr! Zum Beispiel ein Fahrrad, Surfboard oder Paddelboot zur Nutzung.
Bei Jenny und John habe ich Kälber gefüttert, Eier gewaschen und sortiert, Eierkuchen gebacken und Kleidung geändert. Fazit: Gut geeignet für junge Menschen, aber als Rentnerin würde ich das gern mal länger probieren! Gibts in vielen Ländern, auch in Deutschland.
http://de.wikipedia.org/wiki/WWOOF
2. COUCHSURFING
Kenne ich schon seit einigen Jahren. Bisher war ich nur Host, das bedeutet Gastgeber.
Innerhalb eines Jahres hatten wir Gäste aus Amerika, Kanada, China, Belgien, Deutschland...
Bei meiner Reise durch Australien und Neuseeland war ich erstmals als Surfer unterwegs, habe also kostenlos einen Schlafplatz bekommen. Allerdings habe ich auch begriffen, dass Couchsurfing nicht einfach nur die Idee eines kostenlosen Schlafplatzes ist, sondern viel mehr.
Weltoffene Menschen möchten andere Kulturen kennenlernen und ihr eigenes Land vorstellen.
Deshalb bleibt es selten bei einem Schlafplatz. Man bekommt Stadtführungen, wird Freunden vorgestellt, bekocht, zum Flughafen gefahren...
In großen Städten wie Dresden oder Brisbane gibt es Communities, die zu Exkursionen oder Spieleabenden einladen.
Den oft gehörten Einwand: Ist das denn sicher, wenn du bei völlig Fremden übernachtest? kann ich entkräften. Ich lese das Profil des Gastgebers und seine Bewertungen. Er liest meins.
Dann bekommt man eine sms wie diese: "Ja, ihr könnt heute gern bei uns übernachten. Wir sind noch arbeiten, aber das Küchenfenster ist angekippt und ihr könnt die Tür von innen öffnen. Geht in die Küche und kocht euch einen Tee."
Wir haben uns ein bisschen wie Einbrecher gefühlt, auf diese Art das Haus von Menschen zu betreten, denen wir noch nie begegnet sind. Rückblickend kann ich sagen: Wir haben tolle Menschen kennengelernt.
http://de.wikipedia.org/wiki/CouchSurfing
3. AIRBNB
Dies ist keine kostenlose, aber eine kostengünstige, persönliche und oft sehr überraschende Art der Übernachtung. Auch hier bekommt man meist mehr als erwartet. Man muss ebenfalls angemeldet sein und ein Profil erstellen. Bevor man bei jemandem übernachtet, kann man dessen Foto, seine Hobbys und Bewertungen lesen. Wenn man sich dafür genügend Zeit nimmt, findet man immer interessante und weltoffene Leute. Jetzt müsst ihr euch mal die kleine Mühe machen, auf den jeweiligen Link zu klicken, um Fotos von unseren Gastgebern und den Wohnungen zu sehen.
Spencer in Sydney https://www.airbnb.de/rooms/952331
Hund Oscar, ein großes Meeresaquarium, ein Fitnessstudio im Haus und nur 10 min Fahrt bis zur Oper - ein genialer Platz.
Uta in Cairns https://www.airbnb.de/rooms/1485042
"Queensländer" sind offene, luftige Häuser, man sitzt sozusagen immer unter Palmen!
Stephanie in Wellington https://www.airbnb.de/rooms/999294
Einzigartig, wie wir in diese Großfamilie aufgenommen wurden!
Liz and Mike am Lake Tarawera https://www.airbnb.de/rooms/860901
Hier bekommt man Fahrräder und  Paddelboote dazu!
Anne und Barry https://www.airbnb.de/rooms/1624327
Ein Rucksack mit Taschenlampen lag für unsere Höhlentour bereit und im Flüsschen hinterm Haus kann man Aale füttern. Der große war einen Meter lang!
Trevor in Auckland https://www.airbnb.de/rooms/1087558
Ein großzügiges Zimmer, eine rote Couch mit Kuschelhund und interessante Gespräche mit einem Weinhändler.
FAZIT:
Nach so vielen liebevollen und umsichtigen Gastgebern fühlte ich mich in Motel und Campinghütte irgendwie fehl am Platz. Wir haben dies nur dreimal nutzen müssen, weil nichts anderes zur Verfügung stand und der Komfort war auch in Ordnung. Lange habe ich nach einer passenden Formulierung gesucht, um unser seltsames Gefühl an diesen Orten auszudrücken:
Man fühlt sich ausgeschlossen. Der Kontakt zu den Neuseeländern gehörte für uns einfach zum Reisegefühl dazu. Kultur zu erfahren hat immer etwas mit dem Austausch von Gedanken, Ansichten und Ideen zu tun.
Mir ist es nicht so wichtig, ob die Fliesen im Bad gesprungen sind oder der Herd geputzt ist.
Es reicht, wenn sich mein deutscher Ordnungssinn zu Hause ausleben kann.
Statt den Staubsauger zu bedienen, hab ich heute diesen Beitrag zusammengestellt.
Ich hoffe, ihr versteht das.

Samstag, 23. November 2013

Sweet Dreams

This post must be written in English because each night since I´m back in Dresden I dream from Australia or New Zealand. Really!
Night 1 to 4 I was walking trough the green rain forest with the big ferns.
Night 5 and 6 I was walking on the beach and sitting in a boat.
Last night ( number 7) Willi and I were driving with a car through the Craters of the Moon, the thermal activ area. Normally you can only walk there!
It´s a great present to get so beautiful memories after a long holiday.
















Craters of the Moon, New Zealand

Montag, 18. November 2013

Great Barrier Reef

Hier sind nun endlich die Bilder zu unserer Unterwasser - Erlebniswelt:
Dafür links bei "Bilder" einfach auf das Foto klicken.
Das Fotoalbum zum Wasserwandern findet man ebenfalls durch diese "Tür"
sowie alle meine öffentlichen Webalben bei Picasa.

Sonntag, 17. November 2013

Sonne, Strand und viel Bewegung

16.November
Heimreise. Seit über dreißig Stunden unterwegs, sitze ich endlich im Zug Richtung Dresden und kann die Füße hochlegen. Nicht bewegen können ist definitiv anstrengender als Sport treiben. Jedenfalls empfinde ich es so. 
Die vielen Stunden allein im Flugzeug habe ich mich mit Filmen und Dokus zugedröhnt. "Der große Gatsby" war ganz gut, aber ansonsten alles eher Unterhaltung. Hat mich nicht gefesselt. Das wirkliche Leben ist immer noch spannender als jeder Film. 
Nach unserem spektakulären Ausflug mit den Delfinen musste ich erst mal eine Schreibpause einlegen. Luft holen. Dabei haben wir uns danach gleich wieder in die Natur gestürzt. Das dürft ihr gerne wörtlich nehmen. 
In Ahipara gibt es nämlich Sanddünen. Dazu muss man sich ein Sandboard ausleihen, eine Stunde am Strand entlang wandern ( möglichst bei Ebbe), dann steht man davor. Hier fahre ich niemals herunter, war mein erster Satz. Nichts gibt's, einmal musst du es probieren. War schließlich deine Idee, die Dinger auszuleihen, werde ich zurechtgewiesen. Bergauf  nutze ich die schönen großen Fußstapfen meines Sohnes und jammere immer mal wieder, wie steil es doch sei, muss aber dann in Bauchlage den Steilhang hinab. 
Mit Füßen und Ellenbogen bekommt man das Brett auch zum Anhalten. 
Lenken lässt es sich kaum. Nach einer Stunde will Willi den Gipfel erklimmen, aber Buschwerk zwischen dem Sand ist hinderlich. So wandern wir ein Stück weiter am Ufer entlang und stehen kurz danach vor einer riesigen Wand aus Sand. Jetzt packt uns die Neugier. Wie sieht es hinter dem Gipfel aus? 
Der Aufstieg ist kräftezehrend. Ein Schritt vor, ein halber zurück. Der Sand rutscht um jeden Fußabdruck in Wellen nach unten. Es sieht aus wie Lawinen in Miniatur. Ich muss mich setzen und Luft holen. Die Sonne brennt. Willi läuft beharrlich im Zickzack und verschwindet hinter dem Kamm. Mein Ehrgeiz bröckelt. Das Brett haben wir beide mit auf die Düne geschleppt und bei jedem Schritt als Stütze in den Sand gerammt. Kurz vor dem Kamm kann ich den Vorkämpfer dann auf Rufweite einholen und fragen, wie es dahinter aussieht. 
Wüste. Sand. 
Einige Meter stapfe ich bergab. Dann düse ich die längste Sandstrecke meines Lebens eine Düne in Bauchlage hinab. Willi ist ganz oben gestartet, obwohl man von dort den Fuß der Düne nicht mehr sehen konnte. 
Als glückliche Eroberer packen wir unsere Sachen zusammen und laufen auf dem Highway zurück. Denn dies ist der Ninety - Miles-Beach, den man mit dem Auto befahren darf. Ohne Geschwindigkeitsbeschränkung, also bis 100 kmh. 
Das Wasser geht zurück und plötzlich kommt ein riesiger hinkender schwarzer Hund aus den Mangroven. Nein, nein! Ein Seehund robbt gemütlich wenige Meter vor uns ins Wasser, spielt in den Wellen und winkt mit seinen Flossen. Zeit zum Fotografieren bleibt nicht. 
Kurz darauf ist richtig Verkehr hier. Meist Jeeps, deren Fahrer jeden Felsvorsprung und jede Untiefe zu kennen scheinen. Das Stärkste ist ein Auto mit Anhänger, welches große Glasfenster transportiert. Wir halten uns dicht am Ufer und machen Platz. Alle grüßen freundlich. 
Am nächsten Morgen segeln wir bei Ebbe mit Blokarts am gleichen Strand. Der ist so breit, dass wir uns mit keinem Autofahrer ins Gehege kommen. 
Am Anfang sind die Windböen recht stark und ich bekomme Angst. So ein Gefährt hat keine Bremse! Es wird immer schneller und zum Stoppen muss man lenken. Aber die nette Frau vom Verleih zieht mich beharrlich aus dem weichen Sand, rennt hinter mir her und erklärt zum zweiten Mal. 
Langsam bekomme ich ein Gefühl für Windkraft. 
Am Ende ist es verblüffend, wie wir uns sogar entgegen der Windrichtung vorwärts bewegen können. 
An beiden Tagen hatten wir den Strand fast für uns allein. Ein paar Angler, einige Autos und ein Seehund. 
Und zwei Tage Sonnenschein für uns. 
Davor hatte es zwei Tage geregnet. 
In Frankfurt war es grau und kalt, jetzt blitzt etwas Sonne durchs Zugfenster. 
Nette Begrüßung in der Heimat, finde ich.

17.November
So sieht ein Blokart aus. Helm haben wir nicht bekommen. Das Foto stammt von der Website unseres Verleihers. Ob unsere Dünenfotos noch zu retten sind, weiß ich nicht, hoffe aber sehr, Willi kann die Dateien retten.
Weitere Posts sind in Arbeit. Momentan sortiere und bearbeite ich hunderte Fotos. Geduld!

Montag, 11. November 2013

Atemlos

An einem verregneten Tag sitzen wir mit Handy, Landkarte und Ipad über der Planung unserer Route für Northland. Noch eine Woche Reisezeit und je länger wir unterwegs sind, desto mehr Ideen für lohnenswerte Ziele tauchen auf! Willi sagt Namen und Adressen an, ich male Kringel um Orte. Was wollen wir unbedingt, was kann wegfallen? Wasserfälle, Speedboat, Zorb, Motorbike, Glühwürmchen - Höhle, Kauri-Bäume, Strandsegeln, schwimmen mit Delfinen?
Noch viel mehr ist im Angebot.
Delfine! Allerdings gibt es keine Garantie, welche zu treffen. Logisch.
Nach langer Internetrecherche wird gebucht.
Wir starten zeitig, um pünktlich an unserem Schiff zu sein.
Die Crew stellt sich vor und alle 25 Mitreisenden werden gebeten, ihr Heimatland zu nennen. Wir sind die einzigen Deutschen. Umgeben von Australiern, Engländern, Indern, Kanadiern, Amerikanern, Italienern, einer Japanerin und natürlich Neuseeländern. Wenn die halbe Welt mitfährt,dann sind wir wohl an einem besonderen Ort.
Zwei Seiten Belehrung lesen: Sie müssen ein guter Schwimmer sein. Das Schwimmen mit den Delfinen ist erstens wetterabhängig und wird zweitens nicht stattfinden, wenn Babydelfine gesichtet werden, wenn die Tiere gerade auf Futtersuche oder Durchreise sind.
Nur drei Veranstalter dürfen das Schwimmen anbieten und haben strenge Auflagen. Ein Teil unseres Geldes wird für die Forschung und den Schutz dieser Art verwendet. Nach einer halben Stunde tauchen die ersehnten Schwimmer auf und begleiten ein Stück unser Schiff. Es ist ihnen ein Leichtes, unsere Geschwindigkeit zu halten. Sie mögen die Motorengeräusche und spielen gern. Dreht das Boot, verschwinden sie kurz und tauchen unverhofft an unerwarteter Stelle auf. Ihre Sprünge sind zauberhaft, aber ganz schwer mit der Kamera einzufangen. Da, ein Babydelfin! Staunen, Freude und Aufregung in jedem Gesicht. Weitere Boote kommen in die Bucht und die neugierigen Tiere suchen sich ihr nächstes Spielzeug. Weiterfahrt.
Nicht lange, da tauchen größere Tiere auf. Sie sind etwas langsamer als die vorherigen und - falls sie mit uns spielen wollen - eher unserem Schwimmtempo angemessen. Auf dem Vorderdeck schaue ich Willi an, der mit strahlenden Augen bemerkt : Das hat sich jetzt schon mehr als gelohnt, auch wenn wir nicht mit ihnen schwimmen können.
Doch plötzlich geht alles ganz schnell. Sachen abwerfen, Schwimmanzug und Flossen an, Brille und Schnorchel greifen und... Warten!
Der Skipper versucht mit seinen Manövern die Delfine in Bootsnähe zu bekommen. Die Instrukteurin erinnert uns: Nicht untertauchen beim Start von der Plattform, schnell schwimmen, viel bewegen, laut sein. Wir sind zur Unterhaltung der Tiere da und nicht umgekehrt. Wenn sie spielen wollen, dürfen wir mitmachen. Aber einfach Touristen in einen Schwarm Delfine kippen, das gibt es hier nicht. Wohl deshalb ist auch eine Forscherin an Bord.
Los! Das Kommando kommt nun ganz rasch. Als vierte bin ich im Wasser, die Männer vor mir entfernen sich rasch und ich sehe nichts als Wasser. Wo sind die Tiere hin? Egal, schnell sein. Ich atme zu hektisch, schmecke den salzigen Pazifik und strample mit den Beinen. Als ich ran bin, springt tatsächlich so ein Riesenexemplar wenige Meter vor mir in die Luft. Aufgeregt zeigen andere in die entgegengesetzte Richtung. Wahnsinn, wir sind wirklich mitten drin. Trotz der Schnelligkeit gibt es keine Zusammenstöße. Jedenfalls nicht mit Delfinen. Eine Gummiflosse bekomme ich doch um die Ohren, kann das aber in der Hektik keinem übel nehmen. Um mich besser zu orientieren, schaue ich unter Wasser. Dabei kann ich wunderbar die hohen Fieptöne hören. Leider höre ich über Wasser das Kommando heraus zu kommen.
Eine Viertelstunde stehen wir tropfend auf dem Boot, welches die nächste Bucht ansteuert. Noch einmal bekommen wir die Chance!
Diesmal fällt mir erst auf, wie kalt der Ozean ist.
Diesmal versuche ich auch, laut zu sein. Unter Wasser kann ich die Delfine wieder hören und brülle uuuuuhhhhh durch meinen Schnorchel. Vielleicht hören die das ja. Gern hätte ich ein iiiiiihhhhhhh in ihrer Frequenz von mir gegeben, aber dabei zieht man den Mund zu breit und muss Wasser schlucken. Uuuuuhhhhh! Ich komme mir doof vor, aber es wirkt! Gleich drei tauchen ganz nah unter mir durch. Neben mir tauchen zwei Rückenflossen auf. Kreuz und quer, ich möchte laut jubeln, so glücklich fühle ich mich. Da ist es auch schon wieder vorüber.
Eine warme Dusche, ein heißer Kakao. Wir reden leise über unsere Empfindungen. Ich hätte ihn fast berührt, erzählt Willi. Und dass er ebenso durch den Schnorchel gebrüllt hat wie ich .
Die ältere Dame vor uns hat sich umgezogen und zittert vor Kälte. Ihr Gesicht strahlt. Zwei Reihen weiter wickelt sich eine schwangere Frau die Wolljacke um die Schultern. Sie alle waren bei dieser außergewöhnlichen Begegnung hautnah dabei und lassen sich verzaubert nach Hause schippern.
Vor einer Insel sitzen Pinguine auf Felsen.
Das ist mir fast zu viel des Glücks. Zwei schnelle Aufnahmen, dann sinke ich zurück auf meinen Platz. Willi hat die ganze Fahrt über den Fotoapparat nicht mal aus dem Rucksack geholt.
Ich glaube, er hat recht. Unsere Eindrücke sind mit Fotos schwer wiederzugeben.

Montag, 4. November 2013

Fotos

Fotos gibt es jetzt in der linken Leiste bei Bilder. Dort das Foto anklicken und ihr gelangt ins Album Wasserwandern.