Donnerstag, 22. August 2013

Reaktivierung



Nach fünf Jahren ist es wieder soweit: mein zweites Sabbatjahr hat begonnen.
Für alle Interessierten werde ich wie beim letzten Mal hier auf dem Blog über Neuigkeiten berichten.
Wenn man viel Zeit hat, erlebt man auch eine Menge.
Die erste unverhoffte Begegnung habe ich im Urlaub in Dänemark hinter mich gebracht. Da wollten doch ein paar Feuerquallen mit mir kuscheln!
So sahen die aus:
Es war nicht gerade angenehm, aber ich würde es schmerztechnisch mit dem Gang durch ein Brennesselfeld vergleichen. Da unsere Freunde ein „Not-Set“ an Bord hatten, konnten wir uns gegenseitig recht fachmännisch behandeln:
Als erstes Rasierschaum auf die Stellen sprayen, dann mit Salzwasser abspülen und mit Essig neutralisieren.
Es brennt danach noch ziemlich lange, ist aber auszuhalten. Erstaunt war ich, dass die Haut nur wenige Rötungen zeigte.
Im Internet findet man außerdem eine Menge andere Tipps:
Im August, den ich ausschließlich in Dresden verbringe, genieße ich einfach all die wunderbaren Dinge, die sich rings um mich bieten.
1. Die sommerlichen Temperaturen führten unweigerlich zum Test von Bädern: Masseneibad, Kiesgrube Pratzschwitz und Marienbad. Das erste kann ich aufgrund des Wassergeruchs nicht weiterempfehlen. Pratzschwitz ist schon immer in Ordnung und das Marienbad eine kleine, angenehme Neuentdeckung für mich.
2. Oft besuche ich den Palaissommer:
Hier passt einfach alles: der Ort, die Atmosphäre und die Preise. Es kostet nämlich NICHTS. Weder die tollen Konzerte, Kunstausstellungen noch Yoga im Park, Hörspielnacht oder Lichtshow. Man muss nur hingehen!
Mit 200 gutgelaunten Leuten auf der Wiese unter blauem Himmel Yoga zu genießen ist ein herrliches Gefühl, völlig egal, wenn die korpulente Dame neben dir ächzt und stöhnt. Schaust du zu ihr, lacht sie.
3. Sehr empfehlenswert ist wieder einmal die aktuelle Sonderausstellung im Hygienemuseum:
Reichtum – mehr als genug“ bietet Anregungen für alle Sinne. Ich war begeistert über den Inhalt und besonders über die äußerst kreative Umsetzung. Ein hervorragendes Gesamtkunstwerk!
Im Gedächtnis geblieben ist mir die Frage, was jeden Steuerzahler Harz 4 – Betrug pro Jahr kostet. Weniger als ein Euro. Das hätte ich nicht gedacht. Im Vergleich dazu war die Belastung durch Steuerhinterziehung eine dreistellige Summe. Diese Infos habe ich beispielsweise aus dem Swimming Pool der Ausstellung gewonnen. Wer das jetzt nicht versteht: Hingehen und ansehen! Wir waren 1,5 Stunden beschäftigt und haben nicht alles geschafft.
4. Die Felsenbühne Rathen hatte ich noch nie bei Nacht erlebt. Am 13.8. sind wir dort Dracula begegnet. Mit Sitzkissen, Thermoskanne, Decke und Regenschirm (nur zur Vorsicht) ein schaurig-schöner Abend vor einmaliger Kulisse:
5. Selbstverständlich war ich viel in meiner geliebten Neustadt unterwegs, habe im Kino den französischen Streifen„Paulette“ geschaut (Ja, ansehen!) und kann das neue Restaurant Tô - vietnamese cuisine sehr
empfehlen.
6. In Pillnitz sind derzeit sehr sinnliche Plastiken ausgestellt, man kann sie drinnen und draußen bewundern:
7. Ein Tagesausflug nach Prag stand auch noch an und ich musste wieder feststellen, dass es dort hinreißende Jugendstilbauten gibt.
8. Manches erlebt man trotz fortgeschrittenen Alters zum ersten Mal. In meinem Falle ein Sturz mit dem Fahrrad. Auch wenn mein rechter Arm schmerzt, so hatte ich doch Glück, dass ich fast in Zeitlupe über den Lenker abgestiegen bin. Kopfsteinpflaster, Regen und etwas zu stark gebremst. Und das auf dem Weg zum ADAC, wo ich meine Urlaubskrankenversicherung abschließen wollte. Nun teste ich erstmals homöopathische Mittel und hoffe, dass ich bald wieder mit rechts Haare kämmen und Zähne putzen kann.
9. Schließlich habe ich mal wieder die Nähmaschine ausgepackt und meiner Tochter einen Designer-Rucksack angefertigt. Der Rucksack als Symbol des Reisens soll nun auch der Abschluss dieses Eintrags sein:
10. Am 13.9. starten wir in Frankfurt und werden am 15.9. Sydney unseren großen Urlaub beginnen.
Neues gibt´s dann im September/Oktober vom anderen Ende der Welt.



Sonntag, 16. August 2009

Nachlese

Liebe treue Leser!
Dieser Abschlussbericht sollte schon viel eher ins Netz. Aber dann geschah einiges Überraschende und nun bin ich bereits wieder zwei Wochen auf Arbeit gewesen.
Der Reihe nach! Kurz nach dem letzten Blogeintrag gewann Lottis Klasse in Wiesbaden beim Endausscheid einen zweiten und einen dritten Platz inklusive toller Preisgelder. Voller Stolz reisten wir mit unseren Urkunden nach Sachsen zurück.
Kurz darauf endete mein Steinbildhauer-Seminar an der Lukaskirche. Zum Gottesdienst sollte ich vor den Altar treten und über meine Arbeit sprechen. Ich habe wirklich schon viele Reden halten müssen, aber noch nie in einer Kirche! Nun, für die sorgsame und einfühlsame Betreuung während des Seminars fühlte ich mich moralisch zu dieser Gegenleistung verpflichtet. Das Wichtigste aber waren die Ergebnisse unserer Arbeit. Und die konnten sich sehen lassen. Obwohl mein Torso nicht vollendet werden konnte, habe ich mich mit dem jetzigen Zustand angefreundet und mag meine Arbeit mit allen Fehlern.
Es folgte die Urlaubszeit, die ich an der Ostsee und in Bayern verbrachte.
2 Wochen war darauf Lottis Französin Cathy bei uns zu Gast.
Schließlich entschied sich Willi, ins Erzgebirge zu ziehen und dort in 3 Jahren sein Abi am Kolleg zu machen. Es muss nicht immer Amerika oder China sein, wenn man auswandern will.
Mein Kurzurlaub mit Lotti und ihrer Freundin führte uns am letzten Ferienwochenende zum größten Musikfestival Deutschlands sms (sonne-mond-sterne, 38 000 Besucher)an die Bleilochtalsperre.
Bei super Sommerwetter erlebten wir geniale Konzerte mit Peter Fox, Deichkind, Polarkreis 18, Fat Boy Slim, Lexy and K-Paul u.a., saßen am Lagerfeuer, planschten in der Talsperre oder relaxten in der Hängematte.
Es nützt nix, mein freies Jahr ist um. Doch ich habe viel erlebt und gelernt!
Die Bücher- und Filmliste (was ich so konsumieren wollte) ist zwar nur wenig geschrumpft, aber die unzähligen eigenen Erfahrungen sind mir tausendmal mehr wert, als die Erfahrungen von Schriftstellern zu lesen.
Fazit: Ich tue es wieder! 2013 wird mein nächstes Sabbatjahr.

Donnerstag, 11. Juni 2009

Auf nach Weimar!

Diesmal soll es nur ein ganz kurzer Eintrag sein:
Fahrt mal nach Weimar!
www.weimar.de.com
Wir waren drei Tage voller Tatendrang und haben zum Beispiel den herrlichen Ilmpark, Schloss Belvedere und die vielen Bauhaus-Orte erkundet.
www.das-bauhaus-kommt.de
Die zahlreichen Lokalitäten in der Innenstadt rundeten den Ausflug geschmacklich ab. Ein Theaterabend im Cranachhaus demonstrierte die Beschaulichkeit der traditionsbewussten Weimarer.
Und die Übernachtung im Tanzzimmer des Labyrinth-Hostels war einfach perfekt!
www.weimar-hostel.com
Fotos im Webalbum Weimar sind bereits geladen!
Man muss wirklich nicht immer bis Rom reisen...
meint Kerstin.

Sonntag, 7. Juni 2009

Hast du keine Langeweile?

Diese Frage habe ich in den letzten Wochen nicht nur einmal gehört. Deshalb schreibe ich einfach wieder darüber, womit ich in den letzten Monaten meine Zeit totgeschlagen habe. Zuerst würde ich totschlagen gern durch genießen ersetzen, denn ich fühle mich bei all den Aktivitäten noch immer sehr lebendig!
PROJEKTE
Die Steinzeit ist noch nicht zu Ende, denn seit kurzem arbeite ich in einem Bildhauerseminar der Lukaskirche mit. Wir werden von Profi-Künstlern betreut und es ist sowohl geistig als auch körperlich eine heftige Herausforderung für mich. Der Stein, den ich momentan behaue, ist über einen Meter hoch und nur 2 starke Männer bewegen ihn mit Mühe vom Fleck. Meine Freitage und Samstage sind damit ausgefüllt, den Giganten in eine Form zu zwingen. Sonntags pflege ich dann meine geschundenen Hände und nach einer Woche sind Blasen und Schürfwunden auch wieder verheilt.Im Webalbum Sandstein habe ich die aktuellen Fotos hinzugefügt.
Ganz heimlich und schleichend habe ich auch wieder begonnen zu unterrichten...Theater, Kunst und Deutsch:
Ein Projekt hat mich gepackt: "Sweet 16". Im Februar begann ich mit der Hälfte von Lottis Neunter Klasse ein selbstgeschriebenes englisches Stück einzustudieren.Wir probten wöchentlich und sie drehten zu den Projekttagen einen Kurzfilm, der zum Bundesfremdsprachenwettbewerb eingeschickt wurde. Vor 2 Wochen gab es dafür den ersten Platz in Sachsen. Mit der Auszeichnung, respektablen Preisen und einem Buffet im Sächsischen Landtag war es jedoch noch nicht getan. Der Film musste als Theaterstück umgearbeitet und einstudiert werden, weil unsere Gruppe Ende Juni in Wiesbaden zum Endausscheid antreten darf. Mit den 40 besten Gruppen aus ganz Deutschland kämpfen wir um den Bundessieg. Das wird mächtig spannend und ich halte euch natürlich über den Ausgang dieses Wettbewerbs auf dem Laufenden. Mir persönlich macht die Theaterarbeit ja schon immer viel Freude, doch der Videodreh war etwas völlig Neues für mich und die Schüler sind so engagiert, dass diese freiwillige Arbeit das reinste Vergnügen für mich ist.
Meinem Papa habe ich eine Woche lang am Computer die Digitalfotobearbeitung beigebracht.
Später bekam ich die medizinische Facharbeit meiner Schwägerin zum Korrekturlesen und durfte die Schautafeln für die Präsentation gestalten.
Eine meiner Nachbarinnen ist Polin. Wir treffen uns öfter zu einer Deutschstunde auf meinem Balkon. Manchmal werden es auch zwei und ich erfahre so nebenbei Einiges zur Landeskunde.
KULTUR
Wenn ich gerade niemanden unterrichte, ist Zeit für Kultur. Wer meint, die Jugend würde nichts von der deutschen Sprache halten, sollte wie ich mal zum Poetry Slam gehen. Sehr kreative Kurzgeschichtenerzähler ziehen das Publikum mit Fantasie UND ideenreicher Sprache in ihren Bann. Am Ende des Abends wird vom Publikum abgestimmt, wer gewinnt. In der Scheune gibts dafür Karten, im Lingnerschloss ist regelmäßig ausverkauft. Erstmals war ich dieses Jahr in der Saloppe, zum Konzert von Annamateur (sehr stimmgewaltig, einfallsreich und tiefsinnig) sowie gleich darauf zur Dirty Dancing Night (kultig und lustig). Im Alten Schlachthof beeindruckten mich die Whise Guys und das Kurzfilmfest im Metropolis lasse ich in keinem Jahr aus. Meine letzen Bücher waren:
"Die Leber wächst mit ihren Aufgaben" (Hirschhausen/Unterhaltung),
"Wer bin ich und wenn ja wie viele" (Precht/Philosophie),
"Simpel"(von einer Französin/Autismus,Lottis Französischlektüre)
"Die Verirrungen des Zöglings Törless"(Musil/Entwicklungsroman und Lottis Deutschlektüre)
Letzteres habe ich nur aus Neugier gelesen, ob mein Kind die Geschichte auch so schrecklich findet wie ich. Und - man staune - trotz des akrobatischen Satzbaus und des abstoßenden Themas traf es den Nerv eines Teenagers und bescherte uns regelrechte literarische Debatten.
SPORT
Neben Kultur ist Sport wichtig für mich. Meine Aktivitäten bestehen vorwiegend aus Rad fahren, Gymnastik und Schwimmen. Wieder neu dazugekommen ist - dank eines Geburtstagsgeschenkes - Inlineskaten. Willi ist gerade dabei, mit mir ganz behutsam das Bremsen zu trainieren. Also, falls ihr mir an der Elbe begegnet: Bitte gebührend Abstand halten!
Das letzte lange Wochenende war ich mit Freunden in den Alpen in Österreich. Die Besteigung des Gletschers war so anstrengend für mich, dass ich die tolle Sicht mitunter nicht genießen konnte, weil ich oft verzeifelt an den steilen Rückweg dachte. Wobei "Weg" nicht das rechte Wort für die Stein- und Schneewüste ist. Nein, Bergtouren sind nicht mein Ding. Meine Oberschenkelmuskeln krampften drei Tage so fürchterlich, dass ich nur mit schmerzverzerrtem Gesicht die Treppen zu unserer Kammer auf der Alm erklimmen konnte. Für die Almhütte ohne elektrisches Licht, unsere fürsorglichen Wirtsleute, Jagertee, Kasnockerln und Gamsgulasch konnte ich mich jedoch begeistern. Auch das sonnige Wetter, der Fund eines Bergkristalls und die Geburt eines Kälbchens kurz vor unserer Abreise haben mich mit den Bergen letzendlich wieder versöhnt.
REISEN
Klar, die Alpen. Und Wiesbaden erwähnte ich schon.
Übermorgen gehts ein paar Tage nach Weimar, wohin uns ein Freund eingeladen hat, der dort das Labyrinth-Hostel (www.weimar-hostel.com)eröffnet hat. Jedes Zimmer wurde von einem anderen Künstler gestaltet. Außerdem war ich vor der Revolution das letzte mal in Weimar, ein Grund mehr für einen Besuch.
BESUCH
Besuch haben wir oft, in letzter Zeit übernachteten wieder Couchsurfer (www.couchsurfing.com) bei uns, aus China,Kanada und England. Außerdem konnte ich eine Woche mit meinem Gastpapa Rich und dessen Sohn Jacob verbringen, die zum Schüleraustausch in Dresden waren. Auch einige Schüler der High School, bei denen ich letztes Jahr in Watertown unterrichtete, waren dabei.Die Wiedersehensfreude war so groß wie der Abschiedsschmerz.
Während Lotti französische und peruanische Austauschschüler mit nach Hause brachte, organisierte Willi das Angrillen in unserem Hofgarten für die Dresdner Couchsurferbande.Zunächst hatten 20 Leute Interesse bekundet, schließlich waren es über 60! Sie brachten wirklich alles Notwendige mit, bis hin zu Stühlen, Geschirr und Grills. Dass Dresden so international ist, hätte ich nicht vermutet, denn auf engstem Raum trafen sich Polen, Chilenen, Spanier, Amerikaner, Belgier, Tschechen, Australier, Bulgaren - der Rest fällt mir nicht mehr ein.
FAZIT
Es gibt stets mehr Ideen als Zeit. Wenigstens bei mir ist das der Fall.
Wenn einem dann mal nix Spektakuläres mehr einfallen sollte, kann man sich immerhin mal auf dem Balkon sonnen, bei Regenwetter bis Mittag schlafen und für die Kinder was Leckeres kochen. Aber ehrlich gesagt, habe ich das nie länger als drei Tage mit Vergnügen getan. Mit Kopf und Hand etwas Neues ausprobieren ist mein innerer Antrieb.

Samstag, 4. April 2009

Steinzeit

Zwischen Januar und April, zwischen -15 und +21 Grad habe ich mich voll ausgearbeitet. Das Fotoalbum Sandstein ist fertig.
Mehrmals in der Woche fuhr ich nach Loschwitz, um dem Sandstein seine Geheimnisse zu entlocken. Heute kann ich mit Recht behaupten, dass ich etliche inzwischen kenne. Längst nicht alle, deshalb werde ich auch weiter machen mit dieser faszinierenden Beschäftigung.
14 verschiedene Plastiken habe ich inzwischen "erschaffen". Es ist wirklich beinahe wie eine Geburt, denn ich schaue bei jedem Stein zuerst, was in ihm steckt, drehe ihn und sinniere. Dann folgt harte Arbeit, manchmal schmerzhaft. Nicht nur, weil ich mit dem Fäustel mitunter meine Fingerknöchel treffe, sondern auch, weil das Handgelenk die Erschütterungen übelnimmt. Trotzdem habe ich niemals während des Arbeitens Schmerz oder Kälte gespürt. In dieser Zeit "spricht" man mit dem Stein. Der will nämlich ernst genommen und richtig behandelt werden. So ist es wichtig, welches Werkzeug man nutzt, mit wie viel Kraft man zuschlägt und auch aus welcher Richtung. Trotz aller Vorsicht kann es passieren, dass mitten im Projekt der Stein zerbricht (siehe Krokodil). Das hat mich allerdings nicht vom Weiterarbeiten abgehalten und aus dem halben Krokodil wurde ein Fisch.
Vor einigen Tagen hat mich mein Lehrmeister zum Wettkampf auf Zeit herausgefordert. Bisher brauchte ich immer ungefähr doppelt so viel Zeit wie er. Nun haben wir begonnen, Motive in gleicher Größe und Form zu fertigen. Einerseits frustriert es schon ein wenig, wenn einer alles besser kann. Andererseits kann ich hervorragend meine Mängel beim Arbeiten entdecken.
Zusammenfassend muss ich sagen, dass es mir unheimlich Spaß macht, körperlich und kreativ zu arbeiten. Als Hobby werde ich dem Sandstein treu bleiben. Zum Broterwerb wäre mir diese Arbeit auf Dauer viel zu hart. Wenn ich mit meiner praktischen Erfahrung neuerdings an Gebäuden mit Sandsteinverzierungen vorübergehe, bleibe ich oft stehen und frage mich:
Wie lange haben die bloß dafür gebraucht? Welches Werkzeug gestattet solch komplizierte Formen? Mein Blick hat sich geschärft.
Wenn ich irgendwann mal unter der Erde liegen werde, dann überleben meine Sandsteinzöglinge sicher noch einige Generationen.
Diese Vorstellung stimmt mich sehr froh!
Einen angenehmen Spaziergang durch die Bildergalerie wünscht euch
Kerstin

Samstag, 28. Februar 2009

Sieben mal Sieben in Rom

Sieben Tage Sonnenschein waren uns in der italienischen Metropole mit den sieben Hügeln beschieden. Und das Mitte Februar. Unter einem besseren Stern konnte diese Reise nicht stehen.
Sonntag früh um Fünf stiegen wir in Dresden in den Bus nach Schönefeld und dort in den Flieger nach Rom. Zur Mittagszeit hatten wir bereits unser Gepäck im Hotel eingestellt und nutzten das bombastische Wetter für einen ersten Erkundungsspaziergang. In weniger als zehn Minuten lagen Kolloseum und Forum Romanum vor uns.Bis zum Tiber brauchten wir vielleicht eine halbe Stunde. Als wir am Nachmittag auf dem Balkon unseres Hotelzimmers den ersten Becher Wein tranken, hatten wir bereits eine Menge Sehenswürdigkeiten erspäht und es stand fest: in dieser Woche würden wir kein Metroticket brauchen, da jedes Highlight zu Fuß bequem erreichbar war. Ich freute mich, dass ich so lange nach einem preiswerten Hotel im Zentrum gesucht hatte. Bis auf das Frühstück (abgepacktes continental breakfast), welches wir nach einer Woche echt satt hatten, war unsere Bleibe prima.
Die folgenden 3 Tage gab es Kultur Nonstop. Jeden Tag pilgerten wir ca. 15 km durch die Stadt, blieben stehen, schauten,fotografierten,staunten, besuchten Galerien, Palazzi, Kirchen, stöhnten über die unweigerlichen Rückenschmerzen...genossen aber auch Eis, Kaffee und Pizza auf sonnigen Außenplätzen. Zur Erholung von den vielen Kunsteindrücken verordneten wir uns beide einen Tag Auszeit. Für mich hieß das Bummeln und Geschenke shoppen, für Back einen Ausflug in den Botanischen Garten. Hätte man unsere Zielobjekte vertauscht, wären wir beide sauer gewesen. Doch so fanden wir uns nach dem Alleingang am Abend beide zufrieden an der Spanischen Treppe ein.Die zwei letzten Tage erkundeten wir den Vatikan und fanden außerdem den wohl besten Blick von oben auf die Stadt. Trotz 7 € für eine Fahrstuhlfahrt begaben wir uns auf das Denkmal am Piazza Venezia und waren vollauf zufrieden. Immerhin kostet der Blick von der Frauenkirche noch einen Euro mehr.
Was mich am meisten an Rom beeindruckt hat, sind die Fülle an interessanten Bauwerken auf so dichtem Raum und der unbeschreibliche Reichtum an Kunstschätzen. Wie es zum Italiener passt, werden Bruchstücke von antiken Bauwerken einfach ganz locker in der Landschaft verstreut. Der historisch interessierte Tourist bummelt dann durchs Forum Romanum und denkt: Was stand hier früher wohl mal in der Mitte, wo jetzt die ganzen Steine liegen? Dabei war hier früher einfach nichts, denn es war ja ein Marktplatz. Aber mit den verstreuten Relikten sieht es so schön romantisch aus.
In der Galerie Borghese schaute ich - wie fast in jeder anderen Ausstellung - mehr auf die Räume als auf die Ausstellungsstücke. Als verwöhnter Dresdner fand ich es schade, dass die Gemälde oft ganz schlecht erkennbar waren, weil das Licht blendete oder es zu dunkel war. Einzig Berninis geniale Mamorplastiken haben uns lange gefesselt. Wir waren am Schluss auch sicher, dass kein Foto diesen Eindruck wiedergeben kann.
Natürlich kommt man auch ins Grübeln, wenn man sieht, was da im Vatikan im Namen der Kirche und des Glaubens an Schätzen gerafft wurde. Und schmunzeln musste ich schon angesichts einiger erotischer "Engel" - ausgerechnet im Petersdom. Schaut euch die Fotos im Webalbum an und macht euch selbst ein Bild.
Rom im Februar ist zu empfehlen, weil
1. wenige Touristen vor den Objekten der Begierde anstehen und man seine kostbare Zeit nicht mit Warten verbringt
2. man bei Temperaturen zwischen 5 und 15 Grad nicht so schnell ermüdet
3. im Winter der häufig herumliegende Müll noch nicht stinkt (Vielleicht ist es im Sommer aufgeräumter?)
4. man immer einen sonnigen Außenplatz im Cafe bekommen kann und
5. Hotel und Flug sehr preiswert sind
Wenn man fern der Heimat ist, fällt einem ja auch immer etwas auf, was man zu Hause schlechter oder besser findet.
Nun, in Rom kommt man als Fußgänger definitiv besser über die Straße, weil am Zebrastreifen wirklich gebremst wird, oft auch an nicht markierten Stellen. Oder die Vespas umkurven die Fußgänger, Rot und Grün sind einfach bunte Lichter. Die Polizei steht daneben und sieht das gelassen, solange keiner gefährdet wird. Sie ist oft präsent, aber das Gefühl "Sch.. Polizei, hab ich auch nix falsch gemacht?" hat keiner. Sie ist einfach da und jeder Tourist kann sie nach dem Weg fragen.
Der eingemauerte, schlammgraue Tiber lädt nicht zum Bummel am Ufer ein. Trotz allem Fledermausmist in Dresden haben vor Jahrhunderten übereifrige Umweltfreunde sicher dazu beigetragen, dass die Elbwiesen heute so etwas besonderes sind. Wer London, Paris oder Rom gesehen hat, weiß, wie störend sich ein zugebautes Flussbett in einer schönen Stadt ausnimmt.
Fazit: Rom ist mindestens eine Reise wert. Nach all dem Kunst- und Kulturtanken brauchte ich danach aber eine Aufnahme-Pause. Deshalb habe ich mich wieder zu meinen Sandsteinen verdrückt. Doch davon später. Jetzt erstmal viel Freude im Web in Rom wünscht euch
Kerstin

Freitag, 16. Januar 2009

Freudige Ereignisse vor der Haustür

Das neue Jahr hatte ich bewusst nicht verplant. Einziges Vorhaben war, dass ich in den ersten 2 Monaten mal nicht verreisen, sondern hier bleiben wollte. Fast hätte ich es geschafft. Mein Schatz hat mich jedoch erfolgreich überredet, Ende Februar eine Woche gemeinsam in Rom zu verbringen. Aufgrund der ungewöhnlichen Reisezeit können wir dies sehr preiswert und ohne riesige Touristenströme tun, was mich letzendlich überzeugt hat.
Die erste ungeplante Unternehmung war eine Wintersportwoche. Der unerwartete Schnee lockte mich mehrmals auf den Elbwiesen Ski zu fahren. Bei Sonnenauf- und untergang sowie am Tage bei Sonnenschein habe ich viele Stunden die weiße Schönheit durchfahren, durchwandert, betrachtet, fotografiert und gelacht. Eine Menge Künstler hatten die verrücktesten Schneemänner kreiert. Hase, Elefant, Bär,ein Mann mit Stoppelbart und eine Burg mit Zinnen ließen mich trotz minus 15 Grad die Kamera herauspellen. Der Hafen in Loschwitz war völlig zugefroren und das Blaue Wunder zerfiel in der Abenddämmerung in zwei Hälften, weil eine Nebelwolke genau die Mitte verdeckte.Alles ließ sich nicht in Fotos einfangen, manche Momente sind einfach nur zum Genießen da. Aber einige meiner Lieblingsbilder könnt ihr im Fotoalbum "Winter09" sehen.(Ein Klick auf das Foto links bei Bilder,dann nach dem Öffnen des Webalbums auf die linke oder rechte "blaue" Kerstin klicken. Nun kann man aus allen Fotoalben auswählen.)
Obwohl inzwischen der graugelbbraune Großstadtschnee seinen Namen kaum noch verdient, beschert mir dies keine schlechte Laune, denn so war die Winterwoche etwas ganz Einmaliges. Außerdem kommen mir die milden Temperaturen bei meinem jetzigen Projekt sehr entgegen. Seit ein paar Tagen habe ich ein Praktikum bei einem Steinmetz begonnen und behaue im Freien Sandstein. (Danke an dieser Stelle an meinen Lieblingsonkel für die Armeefilzstiefel, ohne die meine Zehen sicher erfroren wären!)
Da ich bei heftigen Minusgraden während der Arbeit die kalten Füße und Hände völlig vergessen konnte, denke ich, noch eine ganze Weile bei dieser Arbeit zu verweilen. Langsam bekomme ich ein Gefühl für die Werkzeuge und den Stein und lerne jeden Tag etwas Neues. Mein "Lehrer" ist ausgesprochen nett und kann wunderbar erklären. Er lässt mir aber oft auch freie Hand, um selbst Dinge auszuprobieren und aus Fehlern zu lernen. Auf Sandstein-Fotos müsst ihr noch ein wenig warten. Ich muss schließlich auch geduldig schlagen und schleifen. Bleibt so neugierig wie ich!
Das wünscht sich Kerstin