Zwischen Januar und April, zwischen -15 und +21 Grad habe ich mich voll ausgearbeitet. Das Fotoalbum Sandstein ist fertig.
Mehrmals in der Woche fuhr ich nach Loschwitz, um dem Sandstein seine Geheimnisse zu entlocken. Heute kann ich mit Recht behaupten, dass ich etliche inzwischen kenne. Längst nicht alle, deshalb werde ich auch weiter machen mit dieser faszinierenden Beschäftigung.
14 verschiedene Plastiken habe ich inzwischen "erschaffen". Es ist wirklich beinahe wie eine Geburt, denn ich schaue bei jedem Stein zuerst, was in ihm steckt, drehe ihn und sinniere. Dann folgt harte Arbeit, manchmal schmerzhaft. Nicht nur, weil ich mit dem Fäustel mitunter meine Fingerknöchel treffe, sondern auch, weil das Handgelenk die Erschütterungen übelnimmt. Trotzdem habe ich niemals während des Arbeitens Schmerz oder Kälte gespürt. In dieser Zeit "spricht" man mit dem Stein. Der will nämlich ernst genommen und richtig behandelt werden. So ist es wichtig, welches Werkzeug man nutzt, mit wie viel Kraft man zuschlägt und auch aus welcher Richtung. Trotz aller Vorsicht kann es passieren, dass mitten im Projekt der Stein zerbricht (siehe Krokodil). Das hat mich allerdings nicht vom Weiterarbeiten abgehalten und aus dem halben Krokodil wurde ein Fisch.
Vor einigen Tagen hat mich mein Lehrmeister zum Wettkampf auf Zeit herausgefordert. Bisher brauchte ich immer ungefähr doppelt so viel Zeit wie er. Nun haben wir begonnen, Motive in gleicher Größe und Form zu fertigen. Einerseits frustriert es schon ein wenig, wenn einer alles besser kann. Andererseits kann ich hervorragend meine Mängel beim Arbeiten entdecken.
Zusammenfassend muss ich sagen, dass es mir unheimlich Spaß macht, körperlich und kreativ zu arbeiten. Als Hobby werde ich dem Sandstein treu bleiben. Zum Broterwerb wäre mir diese Arbeit auf Dauer viel zu hart. Wenn ich mit meiner praktischen Erfahrung neuerdings an Gebäuden mit Sandsteinverzierungen vorübergehe, bleibe ich oft stehen und frage mich:
Wie lange haben die bloß dafür gebraucht? Welches Werkzeug gestattet solch komplizierte Formen? Mein Blick hat sich geschärft.
Wenn ich irgendwann mal unter der Erde liegen werde, dann überleben meine Sandsteinzöglinge sicher noch einige Generationen.
Diese Vorstellung stimmt mich sehr froh!
Einen angenehmen Spaziergang durch die Bildergalerie wünscht euch
Kerstin
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