Diesmal soll es nur ein ganz kurzer Eintrag sein:
Fahrt mal nach Weimar!
www.weimar.de.com
Wir waren drei Tage voller Tatendrang und haben zum Beispiel den herrlichen Ilmpark, Schloss Belvedere und die vielen Bauhaus-Orte erkundet.
www.das-bauhaus-kommt.de
Die zahlreichen Lokalitäten in der Innenstadt rundeten den Ausflug geschmacklich ab. Ein Theaterabend im Cranachhaus demonstrierte die Beschaulichkeit der traditionsbewussten Weimarer.
Und die Übernachtung im Tanzzimmer des Labyrinth-Hostels war einfach perfekt!
www.weimar-hostel.com
Fotos im Webalbum Weimar sind bereits geladen!
Man muss wirklich nicht immer bis Rom reisen...
meint Kerstin.
Donnerstag, 11. Juni 2009
Sonntag, 7. Juni 2009
Hast du keine Langeweile?
Diese Frage habe ich in den letzten Wochen nicht nur einmal gehört. Deshalb schreibe ich einfach wieder darüber, womit ich in den letzten Monaten meine Zeit totgeschlagen habe. Zuerst würde ich totschlagen gern durch genießen ersetzen, denn ich fühle mich bei all den Aktivitäten noch immer sehr lebendig!
PROJEKTE
Die Steinzeit ist noch nicht zu Ende, denn seit kurzem arbeite ich in einem Bildhauerseminar der Lukaskirche mit. Wir werden von Profi-Künstlern betreut und es ist sowohl geistig als auch körperlich eine heftige Herausforderung für mich. Der Stein, den ich momentan behaue, ist über einen Meter hoch und nur 2 starke Männer bewegen ihn mit Mühe vom Fleck. Meine Freitage und Samstage sind damit ausgefüllt, den Giganten in eine Form zu zwingen. Sonntags pflege ich dann meine geschundenen Hände und nach einer Woche sind Blasen und Schürfwunden auch wieder verheilt.Im Webalbum Sandstein habe ich die aktuellen Fotos hinzugefügt.
Ganz heimlich und schleichend habe ich auch wieder begonnen zu unterrichten...Theater, Kunst und Deutsch:
Ein Projekt hat mich gepackt: "Sweet 16". Im Februar begann ich mit der Hälfte von Lottis Neunter Klasse ein selbstgeschriebenes englisches Stück einzustudieren.Wir probten wöchentlich und sie drehten zu den Projekttagen einen Kurzfilm, der zum Bundesfremdsprachenwettbewerb eingeschickt wurde. Vor 2 Wochen gab es dafür den ersten Platz in Sachsen. Mit der Auszeichnung, respektablen Preisen und einem Buffet im Sächsischen Landtag war es jedoch noch nicht getan. Der Film musste als Theaterstück umgearbeitet und einstudiert werden, weil unsere Gruppe Ende Juni in Wiesbaden zum Endausscheid antreten darf. Mit den 40 besten Gruppen aus ganz Deutschland kämpfen wir um den Bundessieg. Das wird mächtig spannend und ich halte euch natürlich über den Ausgang dieses Wettbewerbs auf dem Laufenden. Mir persönlich macht die Theaterarbeit ja schon immer viel Freude, doch der Videodreh war etwas völlig Neues für mich und die Schüler sind so engagiert, dass diese freiwillige Arbeit das reinste Vergnügen für mich ist.
Meinem Papa habe ich eine Woche lang am Computer die Digitalfotobearbeitung beigebracht.
Später bekam ich die medizinische Facharbeit meiner Schwägerin zum Korrekturlesen und durfte die Schautafeln für die Präsentation gestalten.
Eine meiner Nachbarinnen ist Polin. Wir treffen uns öfter zu einer Deutschstunde auf meinem Balkon. Manchmal werden es auch zwei und ich erfahre so nebenbei Einiges zur Landeskunde.
KULTUR
Wenn ich gerade niemanden unterrichte, ist Zeit für Kultur. Wer meint, die Jugend würde nichts von der deutschen Sprache halten, sollte wie ich mal zum Poetry Slam gehen. Sehr kreative Kurzgeschichtenerzähler ziehen das Publikum mit Fantasie UND ideenreicher Sprache in ihren Bann. Am Ende des Abends wird vom Publikum abgestimmt, wer gewinnt. In der Scheune gibts dafür Karten, im Lingnerschloss ist regelmäßig ausverkauft. Erstmals war ich dieses Jahr in der Saloppe, zum Konzert von Annamateur (sehr stimmgewaltig, einfallsreich und tiefsinnig) sowie gleich darauf zur Dirty Dancing Night (kultig und lustig). Im Alten Schlachthof beeindruckten mich die Whise Guys und das Kurzfilmfest im Metropolis lasse ich in keinem Jahr aus. Meine letzen Bücher waren:
"Die Leber wächst mit ihren Aufgaben" (Hirschhausen/Unterhaltung),
"Wer bin ich und wenn ja wie viele" (Precht/Philosophie),
"Simpel"(von einer Französin/Autismus,Lottis Französischlektüre)
"Die Verirrungen des Zöglings Törless"(Musil/Entwicklungsroman und Lottis Deutschlektüre)
Letzteres habe ich nur aus Neugier gelesen, ob mein Kind die Geschichte auch so schrecklich findet wie ich. Und - man staune - trotz des akrobatischen Satzbaus und des abstoßenden Themas traf es den Nerv eines Teenagers und bescherte uns regelrechte literarische Debatten.
SPORT
Neben Kultur ist Sport wichtig für mich. Meine Aktivitäten bestehen vorwiegend aus Rad fahren, Gymnastik und Schwimmen. Wieder neu dazugekommen ist - dank eines Geburtstagsgeschenkes - Inlineskaten. Willi ist gerade dabei, mit mir ganz behutsam das Bremsen zu trainieren. Also, falls ihr mir an der Elbe begegnet: Bitte gebührend Abstand halten!
Das letzte lange Wochenende war ich mit Freunden in den Alpen in Österreich. Die Besteigung des Gletschers war so anstrengend für mich, dass ich die tolle Sicht mitunter nicht genießen konnte, weil ich oft verzeifelt an den steilen Rückweg dachte. Wobei "Weg" nicht das rechte Wort für die Stein- und Schneewüste ist. Nein, Bergtouren sind nicht mein Ding. Meine Oberschenkelmuskeln krampften drei Tage so fürchterlich, dass ich nur mit schmerzverzerrtem Gesicht die Treppen zu unserer Kammer auf der Alm erklimmen konnte. Für die Almhütte ohne elektrisches Licht, unsere fürsorglichen Wirtsleute, Jagertee, Kasnockerln und Gamsgulasch konnte ich mich jedoch begeistern. Auch das sonnige Wetter, der Fund eines Bergkristalls und die Geburt eines Kälbchens kurz vor unserer Abreise haben mich mit den Bergen letzendlich wieder versöhnt.
REISEN
Klar, die Alpen. Und Wiesbaden erwähnte ich schon.
Übermorgen gehts ein paar Tage nach Weimar, wohin uns ein Freund eingeladen hat, der dort das Labyrinth-Hostel (www.weimar-hostel.com)eröffnet hat. Jedes Zimmer wurde von einem anderen Künstler gestaltet. Außerdem war ich vor der Revolution das letzte mal in Weimar, ein Grund mehr für einen Besuch.
BESUCH
Besuch haben wir oft, in letzter Zeit übernachteten wieder Couchsurfer (www.couchsurfing.com) bei uns, aus China,Kanada und England. Außerdem konnte ich eine Woche mit meinem Gastpapa Rich und dessen Sohn Jacob verbringen, die zum Schüleraustausch in Dresden waren. Auch einige Schüler der High School, bei denen ich letztes Jahr in Watertown unterrichtete, waren dabei.Die Wiedersehensfreude war so groß wie der Abschiedsschmerz.
Während Lotti französische und peruanische Austauschschüler mit nach Hause brachte, organisierte Willi das Angrillen in unserem Hofgarten für die Dresdner Couchsurferbande.Zunächst hatten 20 Leute Interesse bekundet, schließlich waren es über 60! Sie brachten wirklich alles Notwendige mit, bis hin zu Stühlen, Geschirr und Grills. Dass Dresden so international ist, hätte ich nicht vermutet, denn auf engstem Raum trafen sich Polen, Chilenen, Spanier, Amerikaner, Belgier, Tschechen, Australier, Bulgaren - der Rest fällt mir nicht mehr ein.
FAZIT
Es gibt stets mehr Ideen als Zeit. Wenigstens bei mir ist das der Fall.
Wenn einem dann mal nix Spektakuläres mehr einfallen sollte, kann man sich immerhin mal auf dem Balkon sonnen, bei Regenwetter bis Mittag schlafen und für die Kinder was Leckeres kochen. Aber ehrlich gesagt, habe ich das nie länger als drei Tage mit Vergnügen getan. Mit Kopf und Hand etwas Neues ausprobieren ist mein innerer Antrieb.
PROJEKTE
Die Steinzeit ist noch nicht zu Ende, denn seit kurzem arbeite ich in einem Bildhauerseminar der Lukaskirche mit. Wir werden von Profi-Künstlern betreut und es ist sowohl geistig als auch körperlich eine heftige Herausforderung für mich. Der Stein, den ich momentan behaue, ist über einen Meter hoch und nur 2 starke Männer bewegen ihn mit Mühe vom Fleck. Meine Freitage und Samstage sind damit ausgefüllt, den Giganten in eine Form zu zwingen. Sonntags pflege ich dann meine geschundenen Hände und nach einer Woche sind Blasen und Schürfwunden auch wieder verheilt.Im Webalbum Sandstein habe ich die aktuellen Fotos hinzugefügt.
Ganz heimlich und schleichend habe ich auch wieder begonnen zu unterrichten...Theater, Kunst und Deutsch:
Ein Projekt hat mich gepackt: "Sweet 16". Im Februar begann ich mit der Hälfte von Lottis Neunter Klasse ein selbstgeschriebenes englisches Stück einzustudieren.Wir probten wöchentlich und sie drehten zu den Projekttagen einen Kurzfilm, der zum Bundesfremdsprachenwettbewerb eingeschickt wurde. Vor 2 Wochen gab es dafür den ersten Platz in Sachsen. Mit der Auszeichnung, respektablen Preisen und einem Buffet im Sächsischen Landtag war es jedoch noch nicht getan. Der Film musste als Theaterstück umgearbeitet und einstudiert werden, weil unsere Gruppe Ende Juni in Wiesbaden zum Endausscheid antreten darf. Mit den 40 besten Gruppen aus ganz Deutschland kämpfen wir um den Bundessieg. Das wird mächtig spannend und ich halte euch natürlich über den Ausgang dieses Wettbewerbs auf dem Laufenden. Mir persönlich macht die Theaterarbeit ja schon immer viel Freude, doch der Videodreh war etwas völlig Neues für mich und die Schüler sind so engagiert, dass diese freiwillige Arbeit das reinste Vergnügen für mich ist.
Meinem Papa habe ich eine Woche lang am Computer die Digitalfotobearbeitung beigebracht.
Später bekam ich die medizinische Facharbeit meiner Schwägerin zum Korrekturlesen und durfte die Schautafeln für die Präsentation gestalten.
Eine meiner Nachbarinnen ist Polin. Wir treffen uns öfter zu einer Deutschstunde auf meinem Balkon. Manchmal werden es auch zwei und ich erfahre so nebenbei Einiges zur Landeskunde.
KULTUR
Wenn ich gerade niemanden unterrichte, ist Zeit für Kultur. Wer meint, die Jugend würde nichts von der deutschen Sprache halten, sollte wie ich mal zum Poetry Slam gehen. Sehr kreative Kurzgeschichtenerzähler ziehen das Publikum mit Fantasie UND ideenreicher Sprache in ihren Bann. Am Ende des Abends wird vom Publikum abgestimmt, wer gewinnt. In der Scheune gibts dafür Karten, im Lingnerschloss ist regelmäßig ausverkauft. Erstmals war ich dieses Jahr in der Saloppe, zum Konzert von Annamateur (sehr stimmgewaltig, einfallsreich und tiefsinnig) sowie gleich darauf zur Dirty Dancing Night (kultig und lustig). Im Alten Schlachthof beeindruckten mich die Whise Guys und das Kurzfilmfest im Metropolis lasse ich in keinem Jahr aus. Meine letzen Bücher waren:
"Die Leber wächst mit ihren Aufgaben" (Hirschhausen/Unterhaltung),
"Wer bin ich und wenn ja wie viele" (Precht/Philosophie),
"Simpel"(von einer Französin/Autismus,Lottis Französischlektüre)
"Die Verirrungen des Zöglings Törless"(Musil/Entwicklungsroman und Lottis Deutschlektüre)
Letzteres habe ich nur aus Neugier gelesen, ob mein Kind die Geschichte auch so schrecklich findet wie ich. Und - man staune - trotz des akrobatischen Satzbaus und des abstoßenden Themas traf es den Nerv eines Teenagers und bescherte uns regelrechte literarische Debatten.
SPORT
Neben Kultur ist Sport wichtig für mich. Meine Aktivitäten bestehen vorwiegend aus Rad fahren, Gymnastik und Schwimmen. Wieder neu dazugekommen ist - dank eines Geburtstagsgeschenkes - Inlineskaten. Willi ist gerade dabei, mit mir ganz behutsam das Bremsen zu trainieren. Also, falls ihr mir an der Elbe begegnet: Bitte gebührend Abstand halten!
Das letzte lange Wochenende war ich mit Freunden in den Alpen in Österreich. Die Besteigung des Gletschers war so anstrengend für mich, dass ich die tolle Sicht mitunter nicht genießen konnte, weil ich oft verzeifelt an den steilen Rückweg dachte. Wobei "Weg" nicht das rechte Wort für die Stein- und Schneewüste ist. Nein, Bergtouren sind nicht mein Ding. Meine Oberschenkelmuskeln krampften drei Tage so fürchterlich, dass ich nur mit schmerzverzerrtem Gesicht die Treppen zu unserer Kammer auf der Alm erklimmen konnte. Für die Almhütte ohne elektrisches Licht, unsere fürsorglichen Wirtsleute, Jagertee, Kasnockerln und Gamsgulasch konnte ich mich jedoch begeistern. Auch das sonnige Wetter, der Fund eines Bergkristalls und die Geburt eines Kälbchens kurz vor unserer Abreise haben mich mit den Bergen letzendlich wieder versöhnt.
REISEN
Klar, die Alpen. Und Wiesbaden erwähnte ich schon.
Übermorgen gehts ein paar Tage nach Weimar, wohin uns ein Freund eingeladen hat, der dort das Labyrinth-Hostel (www.weimar-hostel.com)eröffnet hat. Jedes Zimmer wurde von einem anderen Künstler gestaltet. Außerdem war ich vor der Revolution das letzte mal in Weimar, ein Grund mehr für einen Besuch.
BESUCH
Besuch haben wir oft, in letzter Zeit übernachteten wieder Couchsurfer (www.couchsurfing.com) bei uns, aus China,Kanada und England. Außerdem konnte ich eine Woche mit meinem Gastpapa Rich und dessen Sohn Jacob verbringen, die zum Schüleraustausch in Dresden waren. Auch einige Schüler der High School, bei denen ich letztes Jahr in Watertown unterrichtete, waren dabei.Die Wiedersehensfreude war so groß wie der Abschiedsschmerz.
Während Lotti französische und peruanische Austauschschüler mit nach Hause brachte, organisierte Willi das Angrillen in unserem Hofgarten für die Dresdner Couchsurferbande.Zunächst hatten 20 Leute Interesse bekundet, schließlich waren es über 60! Sie brachten wirklich alles Notwendige mit, bis hin zu Stühlen, Geschirr und Grills. Dass Dresden so international ist, hätte ich nicht vermutet, denn auf engstem Raum trafen sich Polen, Chilenen, Spanier, Amerikaner, Belgier, Tschechen, Australier, Bulgaren - der Rest fällt mir nicht mehr ein.
FAZIT
Es gibt stets mehr Ideen als Zeit. Wenigstens bei mir ist das der Fall.
Wenn einem dann mal nix Spektakuläres mehr einfallen sollte, kann man sich immerhin mal auf dem Balkon sonnen, bei Regenwetter bis Mittag schlafen und für die Kinder was Leckeres kochen. Aber ehrlich gesagt, habe ich das nie länger als drei Tage mit Vergnügen getan. Mit Kopf und Hand etwas Neues ausprobieren ist mein innerer Antrieb.
Samstag, 4. April 2009
Steinzeit
Zwischen Januar und April, zwischen -15 und +21 Grad habe ich mich voll ausgearbeitet. Das Fotoalbum Sandstein ist fertig.
Mehrmals in der Woche fuhr ich nach Loschwitz, um dem Sandstein seine Geheimnisse zu entlocken. Heute kann ich mit Recht behaupten, dass ich etliche inzwischen kenne. Längst nicht alle, deshalb werde ich auch weiter machen mit dieser faszinierenden Beschäftigung.
14 verschiedene Plastiken habe ich inzwischen "erschaffen". Es ist wirklich beinahe wie eine Geburt, denn ich schaue bei jedem Stein zuerst, was in ihm steckt, drehe ihn und sinniere. Dann folgt harte Arbeit, manchmal schmerzhaft. Nicht nur, weil ich mit dem Fäustel mitunter meine Fingerknöchel treffe, sondern auch, weil das Handgelenk die Erschütterungen übelnimmt. Trotzdem habe ich niemals während des Arbeitens Schmerz oder Kälte gespürt. In dieser Zeit "spricht" man mit dem Stein. Der will nämlich ernst genommen und richtig behandelt werden. So ist es wichtig, welches Werkzeug man nutzt, mit wie viel Kraft man zuschlägt und auch aus welcher Richtung. Trotz aller Vorsicht kann es passieren, dass mitten im Projekt der Stein zerbricht (siehe Krokodil). Das hat mich allerdings nicht vom Weiterarbeiten abgehalten und aus dem halben Krokodil wurde ein Fisch.
Vor einigen Tagen hat mich mein Lehrmeister zum Wettkampf auf Zeit herausgefordert. Bisher brauchte ich immer ungefähr doppelt so viel Zeit wie er. Nun haben wir begonnen, Motive in gleicher Größe und Form zu fertigen. Einerseits frustriert es schon ein wenig, wenn einer alles besser kann. Andererseits kann ich hervorragend meine Mängel beim Arbeiten entdecken.
Zusammenfassend muss ich sagen, dass es mir unheimlich Spaß macht, körperlich und kreativ zu arbeiten. Als Hobby werde ich dem Sandstein treu bleiben. Zum Broterwerb wäre mir diese Arbeit auf Dauer viel zu hart. Wenn ich mit meiner praktischen Erfahrung neuerdings an Gebäuden mit Sandsteinverzierungen vorübergehe, bleibe ich oft stehen und frage mich:
Wie lange haben die bloß dafür gebraucht? Welches Werkzeug gestattet solch komplizierte Formen? Mein Blick hat sich geschärft.
Wenn ich irgendwann mal unter der Erde liegen werde, dann überleben meine Sandsteinzöglinge sicher noch einige Generationen.
Diese Vorstellung stimmt mich sehr froh!
Einen angenehmen Spaziergang durch die Bildergalerie wünscht euch
Kerstin
Mehrmals in der Woche fuhr ich nach Loschwitz, um dem Sandstein seine Geheimnisse zu entlocken. Heute kann ich mit Recht behaupten, dass ich etliche inzwischen kenne. Längst nicht alle, deshalb werde ich auch weiter machen mit dieser faszinierenden Beschäftigung.
14 verschiedene Plastiken habe ich inzwischen "erschaffen". Es ist wirklich beinahe wie eine Geburt, denn ich schaue bei jedem Stein zuerst, was in ihm steckt, drehe ihn und sinniere. Dann folgt harte Arbeit, manchmal schmerzhaft. Nicht nur, weil ich mit dem Fäustel mitunter meine Fingerknöchel treffe, sondern auch, weil das Handgelenk die Erschütterungen übelnimmt. Trotzdem habe ich niemals während des Arbeitens Schmerz oder Kälte gespürt. In dieser Zeit "spricht" man mit dem Stein. Der will nämlich ernst genommen und richtig behandelt werden. So ist es wichtig, welches Werkzeug man nutzt, mit wie viel Kraft man zuschlägt und auch aus welcher Richtung. Trotz aller Vorsicht kann es passieren, dass mitten im Projekt der Stein zerbricht (siehe Krokodil). Das hat mich allerdings nicht vom Weiterarbeiten abgehalten und aus dem halben Krokodil wurde ein Fisch.
Vor einigen Tagen hat mich mein Lehrmeister zum Wettkampf auf Zeit herausgefordert. Bisher brauchte ich immer ungefähr doppelt so viel Zeit wie er. Nun haben wir begonnen, Motive in gleicher Größe und Form zu fertigen. Einerseits frustriert es schon ein wenig, wenn einer alles besser kann. Andererseits kann ich hervorragend meine Mängel beim Arbeiten entdecken.
Zusammenfassend muss ich sagen, dass es mir unheimlich Spaß macht, körperlich und kreativ zu arbeiten. Als Hobby werde ich dem Sandstein treu bleiben. Zum Broterwerb wäre mir diese Arbeit auf Dauer viel zu hart. Wenn ich mit meiner praktischen Erfahrung neuerdings an Gebäuden mit Sandsteinverzierungen vorübergehe, bleibe ich oft stehen und frage mich:
Wie lange haben die bloß dafür gebraucht? Welches Werkzeug gestattet solch komplizierte Formen? Mein Blick hat sich geschärft.
Wenn ich irgendwann mal unter der Erde liegen werde, dann überleben meine Sandsteinzöglinge sicher noch einige Generationen.
Diese Vorstellung stimmt mich sehr froh!
Einen angenehmen Spaziergang durch die Bildergalerie wünscht euch
Kerstin
Samstag, 28. Februar 2009
Sieben mal Sieben in Rom
Sieben Tage Sonnenschein waren uns in der italienischen Metropole mit den sieben Hügeln beschieden. Und das Mitte Februar. Unter einem besseren Stern konnte diese Reise nicht stehen.
Sonntag früh um Fünf stiegen wir in Dresden in den Bus nach Schönefeld und dort in den Flieger nach Rom. Zur Mittagszeit hatten wir bereits unser Gepäck im Hotel eingestellt und nutzten das bombastische Wetter für einen ersten Erkundungsspaziergang. In weniger als zehn Minuten lagen Kolloseum und Forum Romanum vor uns.Bis zum Tiber brauchten wir vielleicht eine halbe Stunde. Als wir am Nachmittag auf dem Balkon unseres Hotelzimmers den ersten Becher Wein tranken, hatten wir bereits eine Menge Sehenswürdigkeiten erspäht und es stand fest: in dieser Woche würden wir kein Metroticket brauchen, da jedes Highlight zu Fuß bequem erreichbar war. Ich freute mich, dass ich so lange nach einem preiswerten Hotel im Zentrum gesucht hatte. Bis auf das Frühstück (abgepacktes continental breakfast), welches wir nach einer Woche echt satt hatten, war unsere Bleibe prima.
Die folgenden 3 Tage gab es Kultur Nonstop. Jeden Tag pilgerten wir ca. 15 km durch die Stadt, blieben stehen, schauten,fotografierten,staunten, besuchten Galerien, Palazzi, Kirchen, stöhnten über die unweigerlichen Rückenschmerzen...genossen aber auch Eis, Kaffee und Pizza auf sonnigen Außenplätzen. Zur Erholung von den vielen Kunsteindrücken verordneten wir uns beide einen Tag Auszeit. Für mich hieß das Bummeln und Geschenke shoppen, für Back einen Ausflug in den Botanischen Garten. Hätte man unsere Zielobjekte vertauscht, wären wir beide sauer gewesen. Doch so fanden wir uns nach dem Alleingang am Abend beide zufrieden an der Spanischen Treppe ein.Die zwei letzten Tage erkundeten wir den Vatikan und fanden außerdem den wohl besten Blick von oben auf die Stadt. Trotz 7 € für eine Fahrstuhlfahrt begaben wir uns auf das Denkmal am Piazza Venezia und waren vollauf zufrieden. Immerhin kostet der Blick von der Frauenkirche noch einen Euro mehr.
Was mich am meisten an Rom beeindruckt hat, sind die Fülle an interessanten Bauwerken auf so dichtem Raum und der unbeschreibliche Reichtum an Kunstschätzen. Wie es zum Italiener passt, werden Bruchstücke von antiken Bauwerken einfach ganz locker in der Landschaft verstreut. Der historisch interessierte Tourist bummelt dann durchs Forum Romanum und denkt: Was stand hier früher wohl mal in der Mitte, wo jetzt die ganzen Steine liegen? Dabei war hier früher einfach nichts, denn es war ja ein Marktplatz. Aber mit den verstreuten Relikten sieht es so schön romantisch aus.
In der Galerie Borghese schaute ich - wie fast in jeder anderen Ausstellung - mehr auf die Räume als auf die Ausstellungsstücke. Als verwöhnter Dresdner fand ich es schade, dass die Gemälde oft ganz schlecht erkennbar waren, weil das Licht blendete oder es zu dunkel war. Einzig Berninis geniale Mamorplastiken haben uns lange gefesselt. Wir waren am Schluss auch sicher, dass kein Foto diesen Eindruck wiedergeben kann.
Natürlich kommt man auch ins Grübeln, wenn man sieht, was da im Vatikan im Namen der Kirche und des Glaubens an Schätzen gerafft wurde. Und schmunzeln musste ich schon angesichts einiger erotischer "Engel" - ausgerechnet im Petersdom. Schaut euch die Fotos im Webalbum an und macht euch selbst ein Bild.
Rom im Februar ist zu empfehlen, weil
1. wenige Touristen vor den Objekten der Begierde anstehen und man seine kostbare Zeit nicht mit Warten verbringt
2. man bei Temperaturen zwischen 5 und 15 Grad nicht so schnell ermüdet
3. im Winter der häufig herumliegende Müll noch nicht stinkt (Vielleicht ist es im Sommer aufgeräumter?)
4. man immer einen sonnigen Außenplatz im Cafe bekommen kann und
5. Hotel und Flug sehr preiswert sind
Wenn man fern der Heimat ist, fällt einem ja auch immer etwas auf, was man zu Hause schlechter oder besser findet.
Nun, in Rom kommt man als Fußgänger definitiv besser über die Straße, weil am Zebrastreifen wirklich gebremst wird, oft auch an nicht markierten Stellen. Oder die Vespas umkurven die Fußgänger, Rot und Grün sind einfach bunte Lichter. Die Polizei steht daneben und sieht das gelassen, solange keiner gefährdet wird. Sie ist oft präsent, aber das Gefühl "Sch.. Polizei, hab ich auch nix falsch gemacht?" hat keiner. Sie ist einfach da und jeder Tourist kann sie nach dem Weg fragen.
Der eingemauerte, schlammgraue Tiber lädt nicht zum Bummel am Ufer ein. Trotz allem Fledermausmist in Dresden haben vor Jahrhunderten übereifrige Umweltfreunde sicher dazu beigetragen, dass die Elbwiesen heute so etwas besonderes sind. Wer London, Paris oder Rom gesehen hat, weiß, wie störend sich ein zugebautes Flussbett in einer schönen Stadt ausnimmt.
Fazit: Rom ist mindestens eine Reise wert. Nach all dem Kunst- und Kulturtanken brauchte ich danach aber eine Aufnahme-Pause. Deshalb habe ich mich wieder zu meinen Sandsteinen verdrückt. Doch davon später. Jetzt erstmal viel Freude im Web in Rom wünscht euch
Kerstin
Sonntag früh um Fünf stiegen wir in Dresden in den Bus nach Schönefeld und dort in den Flieger nach Rom. Zur Mittagszeit hatten wir bereits unser Gepäck im Hotel eingestellt und nutzten das bombastische Wetter für einen ersten Erkundungsspaziergang. In weniger als zehn Minuten lagen Kolloseum und Forum Romanum vor uns.Bis zum Tiber brauchten wir vielleicht eine halbe Stunde. Als wir am Nachmittag auf dem Balkon unseres Hotelzimmers den ersten Becher Wein tranken, hatten wir bereits eine Menge Sehenswürdigkeiten erspäht und es stand fest: in dieser Woche würden wir kein Metroticket brauchen, da jedes Highlight zu Fuß bequem erreichbar war. Ich freute mich, dass ich so lange nach einem preiswerten Hotel im Zentrum gesucht hatte. Bis auf das Frühstück (abgepacktes continental breakfast), welches wir nach einer Woche echt satt hatten, war unsere Bleibe prima.
Die folgenden 3 Tage gab es Kultur Nonstop. Jeden Tag pilgerten wir ca. 15 km durch die Stadt, blieben stehen, schauten,fotografierten,staunten, besuchten Galerien, Palazzi, Kirchen, stöhnten über die unweigerlichen Rückenschmerzen...genossen aber auch Eis, Kaffee und Pizza auf sonnigen Außenplätzen. Zur Erholung von den vielen Kunsteindrücken verordneten wir uns beide einen Tag Auszeit. Für mich hieß das Bummeln und Geschenke shoppen, für Back einen Ausflug in den Botanischen Garten. Hätte man unsere Zielobjekte vertauscht, wären wir beide sauer gewesen. Doch so fanden wir uns nach dem Alleingang am Abend beide zufrieden an der Spanischen Treppe ein.Die zwei letzten Tage erkundeten wir den Vatikan und fanden außerdem den wohl besten Blick von oben auf die Stadt. Trotz 7 € für eine Fahrstuhlfahrt begaben wir uns auf das Denkmal am Piazza Venezia und waren vollauf zufrieden. Immerhin kostet der Blick von der Frauenkirche noch einen Euro mehr.
Was mich am meisten an Rom beeindruckt hat, sind die Fülle an interessanten Bauwerken auf so dichtem Raum und der unbeschreibliche Reichtum an Kunstschätzen. Wie es zum Italiener passt, werden Bruchstücke von antiken Bauwerken einfach ganz locker in der Landschaft verstreut. Der historisch interessierte Tourist bummelt dann durchs Forum Romanum und denkt: Was stand hier früher wohl mal in der Mitte, wo jetzt die ganzen Steine liegen? Dabei war hier früher einfach nichts, denn es war ja ein Marktplatz. Aber mit den verstreuten Relikten sieht es so schön romantisch aus.
In der Galerie Borghese schaute ich - wie fast in jeder anderen Ausstellung - mehr auf die Räume als auf die Ausstellungsstücke. Als verwöhnter Dresdner fand ich es schade, dass die Gemälde oft ganz schlecht erkennbar waren, weil das Licht blendete oder es zu dunkel war. Einzig Berninis geniale Mamorplastiken haben uns lange gefesselt. Wir waren am Schluss auch sicher, dass kein Foto diesen Eindruck wiedergeben kann.
Natürlich kommt man auch ins Grübeln, wenn man sieht, was da im Vatikan im Namen der Kirche und des Glaubens an Schätzen gerafft wurde. Und schmunzeln musste ich schon angesichts einiger erotischer "Engel" - ausgerechnet im Petersdom. Schaut euch die Fotos im Webalbum an und macht euch selbst ein Bild.
Rom im Februar ist zu empfehlen, weil
1. wenige Touristen vor den Objekten der Begierde anstehen und man seine kostbare Zeit nicht mit Warten verbringt
2. man bei Temperaturen zwischen 5 und 15 Grad nicht so schnell ermüdet
3. im Winter der häufig herumliegende Müll noch nicht stinkt (Vielleicht ist es im Sommer aufgeräumter?)
4. man immer einen sonnigen Außenplatz im Cafe bekommen kann und
5. Hotel und Flug sehr preiswert sind
Wenn man fern der Heimat ist, fällt einem ja auch immer etwas auf, was man zu Hause schlechter oder besser findet.
Nun, in Rom kommt man als Fußgänger definitiv besser über die Straße, weil am Zebrastreifen wirklich gebremst wird, oft auch an nicht markierten Stellen. Oder die Vespas umkurven die Fußgänger, Rot und Grün sind einfach bunte Lichter. Die Polizei steht daneben und sieht das gelassen, solange keiner gefährdet wird. Sie ist oft präsent, aber das Gefühl "Sch.. Polizei, hab ich auch nix falsch gemacht?" hat keiner. Sie ist einfach da und jeder Tourist kann sie nach dem Weg fragen.
Der eingemauerte, schlammgraue Tiber lädt nicht zum Bummel am Ufer ein. Trotz allem Fledermausmist in Dresden haben vor Jahrhunderten übereifrige Umweltfreunde sicher dazu beigetragen, dass die Elbwiesen heute so etwas besonderes sind. Wer London, Paris oder Rom gesehen hat, weiß, wie störend sich ein zugebautes Flussbett in einer schönen Stadt ausnimmt.
Fazit: Rom ist mindestens eine Reise wert. Nach all dem Kunst- und Kulturtanken brauchte ich danach aber eine Aufnahme-Pause. Deshalb habe ich mich wieder zu meinen Sandsteinen verdrückt. Doch davon später. Jetzt erstmal viel Freude im Web in Rom wünscht euch
Kerstin
Freitag, 16. Januar 2009
Freudige Ereignisse vor der Haustür
Das neue Jahr hatte ich bewusst nicht verplant. Einziges Vorhaben war, dass ich in den ersten 2 Monaten mal nicht verreisen, sondern hier bleiben wollte. Fast hätte ich es geschafft. Mein Schatz hat mich jedoch erfolgreich überredet, Ende Februar eine Woche gemeinsam in Rom zu verbringen. Aufgrund der ungewöhnlichen Reisezeit können wir dies sehr preiswert und ohne riesige Touristenströme tun, was mich letzendlich überzeugt hat.
Die erste ungeplante Unternehmung war eine Wintersportwoche. Der unerwartete Schnee lockte mich mehrmals auf den Elbwiesen Ski zu fahren. Bei Sonnenauf- und untergang sowie am Tage bei Sonnenschein habe ich viele Stunden die weiße Schönheit durchfahren, durchwandert, betrachtet, fotografiert und gelacht. Eine Menge Künstler hatten die verrücktesten Schneemänner kreiert. Hase, Elefant, Bär,ein Mann mit Stoppelbart und eine Burg mit Zinnen ließen mich trotz minus 15 Grad die Kamera herauspellen. Der Hafen in Loschwitz war völlig zugefroren und das Blaue Wunder zerfiel in der Abenddämmerung in zwei Hälften, weil eine Nebelwolke genau die Mitte verdeckte.Alles ließ sich nicht in Fotos einfangen, manche Momente sind einfach nur zum Genießen da. Aber einige meiner Lieblingsbilder könnt ihr im Fotoalbum "Winter09" sehen.(Ein Klick auf das Foto links bei Bilder,dann nach dem Öffnen des Webalbums auf die linke oder rechte "blaue" Kerstin klicken. Nun kann man aus allen Fotoalben auswählen.)
Obwohl inzwischen der graugelbbraune Großstadtschnee seinen Namen kaum noch verdient, beschert mir dies keine schlechte Laune, denn so war die Winterwoche etwas ganz Einmaliges. Außerdem kommen mir die milden Temperaturen bei meinem jetzigen Projekt sehr entgegen. Seit ein paar Tagen habe ich ein Praktikum bei einem Steinmetz begonnen und behaue im Freien Sandstein. (Danke an dieser Stelle an meinen Lieblingsonkel für die Armeefilzstiefel, ohne die meine Zehen sicher erfroren wären!)
Da ich bei heftigen Minusgraden während der Arbeit die kalten Füße und Hände völlig vergessen konnte, denke ich, noch eine ganze Weile bei dieser Arbeit zu verweilen. Langsam bekomme ich ein Gefühl für die Werkzeuge und den Stein und lerne jeden Tag etwas Neues. Mein "Lehrer" ist ausgesprochen nett und kann wunderbar erklären. Er lässt mir aber oft auch freie Hand, um selbst Dinge auszuprobieren und aus Fehlern zu lernen. Auf Sandstein-Fotos müsst ihr noch ein wenig warten. Ich muss schließlich auch geduldig schlagen und schleifen. Bleibt so neugierig wie ich!
Das wünscht sich Kerstin
Die erste ungeplante Unternehmung war eine Wintersportwoche. Der unerwartete Schnee lockte mich mehrmals auf den Elbwiesen Ski zu fahren. Bei Sonnenauf- und untergang sowie am Tage bei Sonnenschein habe ich viele Stunden die weiße Schönheit durchfahren, durchwandert, betrachtet, fotografiert und gelacht. Eine Menge Künstler hatten die verrücktesten Schneemänner kreiert. Hase, Elefant, Bär,ein Mann mit Stoppelbart und eine Burg mit Zinnen ließen mich trotz minus 15 Grad die Kamera herauspellen. Der Hafen in Loschwitz war völlig zugefroren und das Blaue Wunder zerfiel in der Abenddämmerung in zwei Hälften, weil eine Nebelwolke genau die Mitte verdeckte.Alles ließ sich nicht in Fotos einfangen, manche Momente sind einfach nur zum Genießen da. Aber einige meiner Lieblingsbilder könnt ihr im Fotoalbum "Winter09" sehen.(Ein Klick auf das Foto links bei Bilder,dann nach dem Öffnen des Webalbums auf die linke oder rechte "blaue" Kerstin klicken. Nun kann man aus allen Fotoalben auswählen.)
Obwohl inzwischen der graugelbbraune Großstadtschnee seinen Namen kaum noch verdient, beschert mir dies keine schlechte Laune, denn so war die Winterwoche etwas ganz Einmaliges. Außerdem kommen mir die milden Temperaturen bei meinem jetzigen Projekt sehr entgegen. Seit ein paar Tagen habe ich ein Praktikum bei einem Steinmetz begonnen und behaue im Freien Sandstein. (Danke an dieser Stelle an meinen Lieblingsonkel für die Armeefilzstiefel, ohne die meine Zehen sicher erfroren wären!)
Da ich bei heftigen Minusgraden während der Arbeit die kalten Füße und Hände völlig vergessen konnte, denke ich, noch eine ganze Weile bei dieser Arbeit zu verweilen. Langsam bekomme ich ein Gefühl für die Werkzeuge und den Stein und lerne jeden Tag etwas Neues. Mein "Lehrer" ist ausgesprochen nett und kann wunderbar erklären. Er lässt mir aber oft auch freie Hand, um selbst Dinge auszuprobieren und aus Fehlern zu lernen. Auf Sandstein-Fotos müsst ihr noch ein wenig warten. Ich muss schließlich auch geduldig schlagen und schleifen. Bleibt so neugierig wie ich!
Das wünscht sich Kerstin
Donnerstag, 25. Dezember 2008
Barcelona
Anfang Dezember war bei uns schon einmal Weihnachten. Mein Geschenk für Willi(und mich!) sollte eine viertägige Reise nach Barcelona sein. Diese Stadt ist schon viele Jahre eines meiner Wunschziele und das deckte sich mit den Wünschen meines Sohnes hervorragend. Also fuhren wir gemütlich mit dem Bus nach Berlin, um dort bei Freunden noch eine Nacht zu verbringen. Eklig nasser Schneeregen empfing uns. Das war ein Grund mehr, mitten in der Nacht nach Schönefeld zu fahren und mit dem Flieger ins sonnige Spanien zu starten. Mit easyjet war wirklich alles easy. Da wir online eingecheckt hatten und nur mit unserem Handgepäck unterwegs waren, durften wir als Passagiere der A-Klasse bevorzugt in den Billigflieger einsteigen. Die Crew war dazu sehr lustig.
Am Morgen kamen wir an und erlebten bereits im Zubringer ins Zentrum eine Diebesaktion direkt neben uns. Wir waren dank unsrer Umsicht allerdings nicht die Opfer. Wenige Zeit später konnte Willi aus der U-Bahn eine Messerstecherei sichten. Alle anderen Aktivitäten liefen aber ganz entspannt und kulturvoll ab. In unser über priceline ersteigertes Hotel durften wir schon mittags. So zogen wir los zum Parc Güell, den wir bei herrlichem Sonnenschein durchstreiften. Jahreszeitgemäß hielten sich die Touristen in Grenzen und wir ließen uns viel Zeit für Gaudis fantasievolle Gebilde. Am nächsten Tag kamen wir in den Genuss einer privaten Stadtführung durch Willis Freundin Franziska, welche gerade in Barcelona studiert.So sahen wir die schönsten Ecken des gotischen Viertels. Am Hafen verabschiedeten wir uns bis zum Abend von ihr und bummelten gemütlich am leeren Strand entlang bis zum Olympiahafen. Lange schlenderten wir auch über die Ramblas und manch Künstler beeindruckte uns mit seiner Performance. Lukullische Genüsse im Bocceria-Markt und fetter Jugendstil wechselten sich ab. Am Abend verarbeiteten wir in Franzis Studentenbude gemeinsam die frischen Zutaten, die wir auf dem farbenprächtigen Markt gekauft hatten.
Am Wochenende wollten wir hoch hinaus, auf den Tibidabo. Mit der Tramvia blau, einer historischen Straßenbahn und einer Standseilbahn blieb uns genug Zeit für schöne Ausblicke auf teure Villen und auf die dichtbebaute Stadt. Auf dem Berg schlenderten wir durch einen nostalgischen Vergnügungspark, dessen Fahrgeschäfte direkt am Hang einen besonderen Nervenkitzel versprechen. Brauchten wir aber beide nicht, denn die Aussicht war aufregend genug. Später nahmen wir den Rückweg mit dem Bus, um unterwegs wieder etwas Neues zu sehen.
Das wohl berühmteste Bauwerk, die Sagrada Familia, schauten wir uns nur kurz an. Zu viele Leute, zu lange Schlangen und zu viele Kräne. Wir haben an den vier Tagen ohnehin kein Museum von innen gesehen, das Wetter war einfach zu herrlich. Dafür bin ich barfuß am Strand ins Mittelmeer, Willi hat in einer echten Grancia den katalanischen Pudding verkostet und wir ließen uns beim Mexikaner köstlich verwöhnen. Der Urlaub war von Anfang bis Ende ein Genuss für alle Sinne und ich bin sicher, irgendwann einmal wieder an diesen Ort zurückzukehren. Sollte es dann regnen, werde ich nicht traurig sein. Dann kann ich endlich mal ins Museum!
Am Morgen kamen wir an und erlebten bereits im Zubringer ins Zentrum eine Diebesaktion direkt neben uns. Wir waren dank unsrer Umsicht allerdings nicht die Opfer. Wenige Zeit später konnte Willi aus der U-Bahn eine Messerstecherei sichten. Alle anderen Aktivitäten liefen aber ganz entspannt und kulturvoll ab. In unser über priceline ersteigertes Hotel durften wir schon mittags. So zogen wir los zum Parc Güell, den wir bei herrlichem Sonnenschein durchstreiften. Jahreszeitgemäß hielten sich die Touristen in Grenzen und wir ließen uns viel Zeit für Gaudis fantasievolle Gebilde. Am nächsten Tag kamen wir in den Genuss einer privaten Stadtführung durch Willis Freundin Franziska, welche gerade in Barcelona studiert.So sahen wir die schönsten Ecken des gotischen Viertels. Am Hafen verabschiedeten wir uns bis zum Abend von ihr und bummelten gemütlich am leeren Strand entlang bis zum Olympiahafen. Lange schlenderten wir auch über die Ramblas und manch Künstler beeindruckte uns mit seiner Performance. Lukullische Genüsse im Bocceria-Markt und fetter Jugendstil wechselten sich ab. Am Abend verarbeiteten wir in Franzis Studentenbude gemeinsam die frischen Zutaten, die wir auf dem farbenprächtigen Markt gekauft hatten.
Am Wochenende wollten wir hoch hinaus, auf den Tibidabo. Mit der Tramvia blau, einer historischen Straßenbahn und einer Standseilbahn blieb uns genug Zeit für schöne Ausblicke auf teure Villen und auf die dichtbebaute Stadt. Auf dem Berg schlenderten wir durch einen nostalgischen Vergnügungspark, dessen Fahrgeschäfte direkt am Hang einen besonderen Nervenkitzel versprechen. Brauchten wir aber beide nicht, denn die Aussicht war aufregend genug. Später nahmen wir den Rückweg mit dem Bus, um unterwegs wieder etwas Neues zu sehen.
Das wohl berühmteste Bauwerk, die Sagrada Familia, schauten wir uns nur kurz an. Zu viele Leute, zu lange Schlangen und zu viele Kräne. Wir haben an den vier Tagen ohnehin kein Museum von innen gesehen, das Wetter war einfach zu herrlich. Dafür bin ich barfuß am Strand ins Mittelmeer, Willi hat in einer echten Grancia den katalanischen Pudding verkostet und wir ließen uns beim Mexikaner köstlich verwöhnen. Der Urlaub war von Anfang bis Ende ein Genuss für alle Sinne und ich bin sicher, irgendwann einmal wieder an diesen Ort zurückzukehren. Sollte es dann regnen, werde ich nicht traurig sein. Dann kann ich endlich mal ins Museum!
Freitag, 21. November 2008
Venezuela –ein Besuch im Sozialismus des 21. Jahrhunderts
„Patria, socialismo o muerte“ (Vaterland, Sozialismus oder Tod) meint Herr Chavez. „Patria, socialismo i muerte“ (Vaterland, Sozialismus und Tod) wiederholte mein Liebster kurz vor unserer Heimreise zur Erheiterung unserer Gastgeber Maik und Maria.
Zwei gegensätzliche Empfindungen hatten wir in den 14 Tagen im sonnigen Venezuela. Atemberaubend schöne Landschaften, herrliches Wetter, eine bezaubernde Tier-und Pflanzenwelt sowie kulinarische Genüsse zogen uns in ihren Bann. Umso tiefer saß der Schock über all die Armut, Unsicherheit vor Gewalt, den Müll und die verfehlte Politik im Land. Ein regelrechtes Kontrastprogramm also. Der Hinflug nach Caracas verlief sehr entspannt und unsere Freunde holten uns vom Flughafen ab. Auf der Fahrt in ihr Wohngebiet wunderten wir uns, warum wir die verdunkelten Autofenster nicht öffnen durften, um die Millionenstadt auf unseren Fotos festzuhalten. Schließlich sahen die Barios (Hangbauten, Slums) spektakulär aus. „Zu gefährlich“ war die Antwort. Große Armut produziert hohe Kriminalität. Ein gemütlicher Abend erweiterte das für uns notwendige Wissen zum sicherheitstauglichen Reisen, denn am nächsten Tag gingen wir zwei 4 Tage allein und ohne Spanischkenntnisse auf Reisen.
Natur pur erlebten wir auf unserem Ausflug ins Naturschutzgebiet Canaima zum höchsten Wasserfall der Erde, dem Salto Angel (fast 1 km hoch). Nach abenteuerlichen Verhandlungen auf dem Flughafen (in Spanisch, denn Englisch spricht kaum jemand) und Diskussionen zur Hotel- und Taxibezahlung (viele Einheimische versuchen die Touris doppelt abzukassieren) hatten wir die Feuertaufe bestanden. Der Flug im 8-Sitzer über Wasserfälle und Tafelberge war ein einmaliges Erlebnis. In Canaima nahm uns Felix in Empfang. Er erklärte unserer 12-köpfigen Gruppe auf Englisch das Programm und bald schon saßen wir mit Schwimmwesten im Einbaum. In rasanter Geschwindigkeit fuhren wir bei Sonnenschein Stromschnellen hinauf, schrammten über Steine, picknickten an einem Wasserfall, badeten und fotografierten wie wild. Der Abend verschaffte uns einen ersten Blick auf den Salto Angel, herrliche gebratene Hühnchen und Hängematten zum Schlafen. Im Morgengrauen schlichen wir zum Fluss und schauten, wie die Sonne die Nebelwolken vertrieb. Mein Liebster kam zu spät zum Frühstück, weil er sich vorher noch mit einem Geier unterhalten musste. Gut gesättigt wanderten wir in feuchter Hitze durch den Regenwald bis zum Fuße des Wasserfalls. Alle Strapazen waren vergessen, sobald man ins erfrischende Nass steigen konnte. Nach dem Rückmarsch hatte man im Basislager schon für uns gekocht und wir hätten nach dem reichlichen Mahl gern noch lange in den Hängematten gedöst. Aber Felix hieß uns packen und in die Boote steigen. Nichtsahnend verstauten wir unsere Sachen (einschließlich Regenumhänge) unter der wasserdichten Plane im Einbaum und stiegen leichtbekleidet ins Boot. Nach kurzer Zeit verdunkelte sich der Himmel und wir gerieten in ein Gewitter. Eine volle Stunde peitschte uns der Regen ins Gesicht. Der Fahrtwind war so kalt, dass mir die Zähne klapperten. Zurück im Dorf strahlte die Sonne und der Fluss bescherte uns ein wärmendes Bad. Nach einem leckeren Fisch-Abendbrot verkosteten wir noch einheimisches Bier, welches wir im Dorfkonsum gekauft hatten. Am nächsten Tag fuhren wir per Boot zu den naheliegenden Wasserfällen, wanderten direkt durch sie hindurch und badeten in der Lagune. Nach dem Rückflug mit der Chesna landeten wir in Ciudad Bolivar und verabschiedeten uns von unseren Mitreisenden. Ein Taxi brachte uns nach Puerto Ordaz, von wo aus wir nach Caracas flogen. Maria und Maik waren froh, dass uns die Reise begeistert hatte und vor allem, dass wir ohne Probleme und Zwischenfälle alle kleinen Hürden gemeistert hatten.
Nach einem Ausruh- und Bummeltag in Caracas starteten wir alle 5 (Maik, Maria, Back, ich und Hundekind Harras) zu einem gemeinsamen Strandurlaub nach Cata. Erster geschmackvoller Zwischenstopp war die idyllische Hacienda Santa Teresa, wo seit ewigen Zeiten Rum gebrannt wird. Etwas geschockt standen wir am Abend in dem gemieteten Haus in einem karibischen Dorf. So heruntergekommen und unsauber hatten wir uns das nicht vorgestellt. Wir beschlossen, essen zu gehen und an den nächsten Tag am Strand zu denken. Die Paella mit Meeresfrüchten war ein kulinarischer Hochgenuss und auch der Palmenstrand übertraf die Erwartungen. Da heute Sonntag war, tauchten wir mitten in der lärmenden Masse der Einheimischen unter. Wir wurden von allen Seiten mit sehr lauter Musik (meist Reggaeton) beschallt und sahen sowohl atemberaubend schöne wie auch auffällig umoperierte Körper. Trotz allem Trubel fühlten wir uns wohl (kein Deutscher am Strand), kosteten den Saft einer selbstgepflückten Kokosnuss, ließen uns von den Wellen umwerfen und einfach die Seele baumeln.
Auch die nächsten zwei Tage waren Strandtage. Einmal schaffte uns ein Fischerboot in eine entlegene Bucht und es war eine grandiose Safari für uns. Mangrovenwald, Pelikane, Geier, Krabben, Fische, Korallen, Seesterne zum Anfassen. Zurück im Fischerhafen standen wir am schönsten Platz während unserer Venezuela – Reise. Im Sonnenuntergang flogen Pelikane über unsere Köpfe. Die Fischer luden riesige Fische aus. Wilde Hunde streunten herum. Ein Pärchen hatte die Autotür geöffnet, trank mit Freunden Bier und beschallte die Szene mit karibischer Musik. Wie verzaubert standen wir mitten in einem Gemälde, in dem einfach alles perfekt war. Das war Marias Beschreibung unseres Gefühls und ich kann es nicht treffender ausdrücken. Über der ganzen Bucht lag eine tiefe Zufriedenheit. Am letzten Tag suchten wir wieder den Palmenstrand vom Sonntag auf und waren diesmal fast allein!
Unsere Rückfahrt führte uns durch die Colonia Tovar, eine deutsche Kolonie in den Bergen. Maria hatte dort einige Zeit zu Studienzwecken verbracht und konnte uns unheimlich viel berichten und erklären. Ein Abstecher zu alten Felszeichnungen rang dem Jeep und unserem Fahrer Maik Höchstleistungen ab. Der Weg war unheimlich steil, von tiefen Rissen durchzogener glitschiger Lehm glänzte im Nieselregen. Maria stöhnte ausdrucksvoll, ich schwieg vor Angst und Paparazzi Back filmte unverfroren das schlingernde Auto. Dafür sind ihm aber im Nachhinein alle dankbar, denn wir haben den Film nunmehr vielleicht 20mal angesehen und uns köstlich amüsiert. Zurück in Caracas waren Back und ich so erfüllt von all den Eindrücken, dass wir eigentlich keinen Ausflug mehr brauchten. Die alltäglichen Dinge waren aufregend genug: mit Maria besuchte ich ein Kosmetikstudio und ging zur Maniküre. Ja, in Venezuela arbeitet man anders. Während ich mir das erste Mal in meinem Leben professionell die Nägel lackieren lasse, telefoniert die junge Angestellte mehrmals privat und tippt sms in ihr Handy. Aber das Ergebnis war trotz einfachster Arbeitsmittel ausgezeichnet. Wie in der DDR macht eine Mangelgesellschaft erfinderisch und der mehrfach verwendete Zahnstocher (mit Watte umwickelt und in Nagellackentferner getaucht) amüsierte mich.
In einem Geschäft um die Ecke saßen wir zweimal bei einem Portugiesen zum Frühstück. Schnell waren Maik und Maria durch ihr fließendes Spanisch und einen wohlerzogenen Hund mit den verschiedensten Leuten im Gespräch. Maiks Neugier bescherte mir sogar eine unterhaltsame Englischstunde mit einem Comiczeichner aus Caracas. Wir porträtierten uns gegenseitig und schwatzten dabei über Schule, Politik und die Berliner Kunstszene.
An den letzten beiden Tagen frönten wir den kulinarischen Köstlichkeiten des Landes. Im Nationalpark auf dem Avila verwöhnte uns ein französischer Koch, während wir bei Vollmond die erleuchteten Schiffe tief unter uns vor dem Hafen in Caracas ankern sahen. Am nächsten Abend blickten wir von der 360°Bar auf dem Dach eines Hochhauses auf den Moloch Stadt. Dort unten tobt(von hier aus unsichtbar) ein regelloser Verkehr, dort kostet eine Tankfüllung 2 €, dort steht man Stunden im Stau, dort liegt der Müll, dort riecht es nach Abgasen, dort gibt es 50 Prozent Arbeitslose, dort verrammelt man aus Angst vor Überfällen seine Autotüren . Wir genehmigten uns ein großartiges Abschiedsessen, erzählten, lachten, bemalten die Papiertischdecke und fuhren fröhlich heim. Unterwegs sahen wir Autos, die Weihnachtsbäume auf die Dächer gebunden hatten. Na klar, es war Mitte November.
Unsere Reise war ein Erlebnis im doppelten Sinne: Natur genießen und gleichzeitig hinter die Kulissen einer zwiespältigen Politik schauen. Maria und Maik waren die besten Gastgeber, die man sich wünschen kann. Sie organisierten unsere Ausflüge, sorgten für unsere Sicherheit, übersetzten geduldig Speisekarten und Chavez´ Radioansprachen und brachten uns die echten Regeln des nationalen Dominospiels bei.
Nochmal ein herzliches Danke an euch beide!
Die Fotos zu diesem Reisebericht habe ich soeben frisch ins Netz gestellt.
Eine fesselnde Entdeckungsreise im Album "Venezuela" wünscht euch
Kerstin!
Zwei gegensätzliche Empfindungen hatten wir in den 14 Tagen im sonnigen Venezuela. Atemberaubend schöne Landschaften, herrliches Wetter, eine bezaubernde Tier-und Pflanzenwelt sowie kulinarische Genüsse zogen uns in ihren Bann. Umso tiefer saß der Schock über all die Armut, Unsicherheit vor Gewalt, den Müll und die verfehlte Politik im Land. Ein regelrechtes Kontrastprogramm also. Der Hinflug nach Caracas verlief sehr entspannt und unsere Freunde holten uns vom Flughafen ab. Auf der Fahrt in ihr Wohngebiet wunderten wir uns, warum wir die verdunkelten Autofenster nicht öffnen durften, um die Millionenstadt auf unseren Fotos festzuhalten. Schließlich sahen die Barios (Hangbauten, Slums) spektakulär aus. „Zu gefährlich“ war die Antwort. Große Armut produziert hohe Kriminalität. Ein gemütlicher Abend erweiterte das für uns notwendige Wissen zum sicherheitstauglichen Reisen, denn am nächsten Tag gingen wir zwei 4 Tage allein und ohne Spanischkenntnisse auf Reisen.
Natur pur erlebten wir auf unserem Ausflug ins Naturschutzgebiet Canaima zum höchsten Wasserfall der Erde, dem Salto Angel (fast 1 km hoch). Nach abenteuerlichen Verhandlungen auf dem Flughafen (in Spanisch, denn Englisch spricht kaum jemand) und Diskussionen zur Hotel- und Taxibezahlung (viele Einheimische versuchen die Touris doppelt abzukassieren) hatten wir die Feuertaufe bestanden. Der Flug im 8-Sitzer über Wasserfälle und Tafelberge war ein einmaliges Erlebnis. In Canaima nahm uns Felix in Empfang. Er erklärte unserer 12-köpfigen Gruppe auf Englisch das Programm und bald schon saßen wir mit Schwimmwesten im Einbaum. In rasanter Geschwindigkeit fuhren wir bei Sonnenschein Stromschnellen hinauf, schrammten über Steine, picknickten an einem Wasserfall, badeten und fotografierten wie wild. Der Abend verschaffte uns einen ersten Blick auf den Salto Angel, herrliche gebratene Hühnchen und Hängematten zum Schlafen. Im Morgengrauen schlichen wir zum Fluss und schauten, wie die Sonne die Nebelwolken vertrieb. Mein Liebster kam zu spät zum Frühstück, weil er sich vorher noch mit einem Geier unterhalten musste. Gut gesättigt wanderten wir in feuchter Hitze durch den Regenwald bis zum Fuße des Wasserfalls. Alle Strapazen waren vergessen, sobald man ins erfrischende Nass steigen konnte. Nach dem Rückmarsch hatte man im Basislager schon für uns gekocht und wir hätten nach dem reichlichen Mahl gern noch lange in den Hängematten gedöst. Aber Felix hieß uns packen und in die Boote steigen. Nichtsahnend verstauten wir unsere Sachen (einschließlich Regenumhänge) unter der wasserdichten Plane im Einbaum und stiegen leichtbekleidet ins Boot. Nach kurzer Zeit verdunkelte sich der Himmel und wir gerieten in ein Gewitter. Eine volle Stunde peitschte uns der Regen ins Gesicht. Der Fahrtwind war so kalt, dass mir die Zähne klapperten. Zurück im Dorf strahlte die Sonne und der Fluss bescherte uns ein wärmendes Bad. Nach einem leckeren Fisch-Abendbrot verkosteten wir noch einheimisches Bier, welches wir im Dorfkonsum gekauft hatten. Am nächsten Tag fuhren wir per Boot zu den naheliegenden Wasserfällen, wanderten direkt durch sie hindurch und badeten in der Lagune. Nach dem Rückflug mit der Chesna landeten wir in Ciudad Bolivar und verabschiedeten uns von unseren Mitreisenden. Ein Taxi brachte uns nach Puerto Ordaz, von wo aus wir nach Caracas flogen. Maria und Maik waren froh, dass uns die Reise begeistert hatte und vor allem, dass wir ohne Probleme und Zwischenfälle alle kleinen Hürden gemeistert hatten.
Nach einem Ausruh- und Bummeltag in Caracas starteten wir alle 5 (Maik, Maria, Back, ich und Hundekind Harras) zu einem gemeinsamen Strandurlaub nach Cata. Erster geschmackvoller Zwischenstopp war die idyllische Hacienda Santa Teresa, wo seit ewigen Zeiten Rum gebrannt wird. Etwas geschockt standen wir am Abend in dem gemieteten Haus in einem karibischen Dorf. So heruntergekommen und unsauber hatten wir uns das nicht vorgestellt. Wir beschlossen, essen zu gehen und an den nächsten Tag am Strand zu denken. Die Paella mit Meeresfrüchten war ein kulinarischer Hochgenuss und auch der Palmenstrand übertraf die Erwartungen. Da heute Sonntag war, tauchten wir mitten in der lärmenden Masse der Einheimischen unter. Wir wurden von allen Seiten mit sehr lauter Musik (meist Reggaeton) beschallt und sahen sowohl atemberaubend schöne wie auch auffällig umoperierte Körper. Trotz allem Trubel fühlten wir uns wohl (kein Deutscher am Strand), kosteten den Saft einer selbstgepflückten Kokosnuss, ließen uns von den Wellen umwerfen und einfach die Seele baumeln.
Auch die nächsten zwei Tage waren Strandtage. Einmal schaffte uns ein Fischerboot in eine entlegene Bucht und es war eine grandiose Safari für uns. Mangrovenwald, Pelikane, Geier, Krabben, Fische, Korallen, Seesterne zum Anfassen. Zurück im Fischerhafen standen wir am schönsten Platz während unserer Venezuela – Reise. Im Sonnenuntergang flogen Pelikane über unsere Köpfe. Die Fischer luden riesige Fische aus. Wilde Hunde streunten herum. Ein Pärchen hatte die Autotür geöffnet, trank mit Freunden Bier und beschallte die Szene mit karibischer Musik. Wie verzaubert standen wir mitten in einem Gemälde, in dem einfach alles perfekt war. Das war Marias Beschreibung unseres Gefühls und ich kann es nicht treffender ausdrücken. Über der ganzen Bucht lag eine tiefe Zufriedenheit. Am letzten Tag suchten wir wieder den Palmenstrand vom Sonntag auf und waren diesmal fast allein!
Unsere Rückfahrt führte uns durch die Colonia Tovar, eine deutsche Kolonie in den Bergen. Maria hatte dort einige Zeit zu Studienzwecken verbracht und konnte uns unheimlich viel berichten und erklären. Ein Abstecher zu alten Felszeichnungen rang dem Jeep und unserem Fahrer Maik Höchstleistungen ab. Der Weg war unheimlich steil, von tiefen Rissen durchzogener glitschiger Lehm glänzte im Nieselregen. Maria stöhnte ausdrucksvoll, ich schwieg vor Angst und Paparazzi Back filmte unverfroren das schlingernde Auto. Dafür sind ihm aber im Nachhinein alle dankbar, denn wir haben den Film nunmehr vielleicht 20mal angesehen und uns köstlich amüsiert. Zurück in Caracas waren Back und ich so erfüllt von all den Eindrücken, dass wir eigentlich keinen Ausflug mehr brauchten. Die alltäglichen Dinge waren aufregend genug: mit Maria besuchte ich ein Kosmetikstudio und ging zur Maniküre. Ja, in Venezuela arbeitet man anders. Während ich mir das erste Mal in meinem Leben professionell die Nägel lackieren lasse, telefoniert die junge Angestellte mehrmals privat und tippt sms in ihr Handy. Aber das Ergebnis war trotz einfachster Arbeitsmittel ausgezeichnet. Wie in der DDR macht eine Mangelgesellschaft erfinderisch und der mehrfach verwendete Zahnstocher (mit Watte umwickelt und in Nagellackentferner getaucht) amüsierte mich.
In einem Geschäft um die Ecke saßen wir zweimal bei einem Portugiesen zum Frühstück. Schnell waren Maik und Maria durch ihr fließendes Spanisch und einen wohlerzogenen Hund mit den verschiedensten Leuten im Gespräch. Maiks Neugier bescherte mir sogar eine unterhaltsame Englischstunde mit einem Comiczeichner aus Caracas. Wir porträtierten uns gegenseitig und schwatzten dabei über Schule, Politik und die Berliner Kunstszene.
An den letzten beiden Tagen frönten wir den kulinarischen Köstlichkeiten des Landes. Im Nationalpark auf dem Avila verwöhnte uns ein französischer Koch, während wir bei Vollmond die erleuchteten Schiffe tief unter uns vor dem Hafen in Caracas ankern sahen. Am nächsten Abend blickten wir von der 360°Bar auf dem Dach eines Hochhauses auf den Moloch Stadt. Dort unten tobt(von hier aus unsichtbar) ein regelloser Verkehr, dort kostet eine Tankfüllung 2 €, dort steht man Stunden im Stau, dort liegt der Müll, dort riecht es nach Abgasen, dort gibt es 50 Prozent Arbeitslose, dort verrammelt man aus Angst vor Überfällen seine Autotüren . Wir genehmigten uns ein großartiges Abschiedsessen, erzählten, lachten, bemalten die Papiertischdecke und fuhren fröhlich heim. Unterwegs sahen wir Autos, die Weihnachtsbäume auf die Dächer gebunden hatten. Na klar, es war Mitte November.
Unsere Reise war ein Erlebnis im doppelten Sinne: Natur genießen und gleichzeitig hinter die Kulissen einer zwiespältigen Politik schauen. Maria und Maik waren die besten Gastgeber, die man sich wünschen kann. Sie organisierten unsere Ausflüge, sorgten für unsere Sicherheit, übersetzten geduldig Speisekarten und Chavez´ Radioansprachen und brachten uns die echten Regeln des nationalen Dominospiels bei.
Nochmal ein herzliches Danke an euch beide!
Die Fotos zu diesem Reisebericht habe ich soeben frisch ins Netz gestellt.
Eine fesselnde Entdeckungsreise im Album "Venezuela" wünscht euch
Kerstin!
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