Mittwoch, 19. Februar 2014

Wird dir nicht langweilig?

Diese Frage wird mir zwar seltener gestellt als in meinem letzten freien Jahr, aber manch einer kann sich wahrscheinlich wirklich schwer vorstellen, was man mit soooooooooooo viel Zeit anfängt, wenn man nicht auf Arbeit gehen muss.
Deshalb einfach mal ein Post dazu, was ich zu Hause anstelle, wenn ich nicht verreist bin.


LESEN
Die Winterzeit ist denkbar günstig, sich mehrere Stunden am Tag in fremde Welten zu versenken. Eine Kanne Tee, Kuscheldecke und ab auf die Couch. Natürlich nicht, bevor ich bei guten Freundinnen oder in der Bibo die entsprechende Lektüre geliehen hab. Hier ein kleiner Einblick in die letzten zwei Monate:
Rachel Joyce "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" (ergreifend, nachdenklich)
Lelord "Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück" sowie der Zeit und der Liebe (kurzweilig,klug)
Mankell "Die italienischen Schuhe" (fesselnd)
Adler Olsen "Erbarmen" (furchtbar fesselnd)
Kaminer "Liebesgrüße aus Deutschland", "Die Reise nach Trulala" (witzig, erkenntnisreich)
Sarah Lark "Im Land der weißen Wolke", "Das Gold der Maori", "Im Schatten des Kauribaums" (dicke Neuseeland-Schmöker, die mich an Stationen meiner Reise führten und eine Menge Geschichte, Liebe und Tragödien vereint)
Herrndorf "Tschick"(großartiges Jugendbuch, die Lektüre war längst überfällig)
Baltschew "Ein Jahr in Amsterdam" (liebevolle Studie und vorbereitende Reiselektüre für nächste Woche!)
Hosseini "Drachenläufer" (grausame Schicksale in Afghanistan, brilliant geschrieben, nachdenkenswert)
Lesen ist ja auch immer eine Reise. Entweder ich begebe mich träumend an bekannte und unbekannte Orte oder ich atme nach heftiger Lektüre auf und denke: Welch Glück, dass ich im Hier und Heute lebe und besonders als Frau nicht in einem anderen Jahrhundert an einem anderen Ort in die Welt kam.


BEWEGUNG
Es ist natürlich weder gesund für den Rücken noch für die Figur, ständig auf der Couch zu lümmeln. Deshalb versuche ich oft das Fahrrad zu bewegen oder zum Fitness zu gehen. Dabei musste ich Anfang des Jahres einsehen, dass man bei Glätte doch lieber das Auto nimmt und meine geprellten Körperteile eine Woche schonen. Und wenn man vormittags ins Fitness geht, trifft man schon mal auf eine Rentnertruppe, die zu deutscher Schlagermusik "Bauch-Beine-Po" absolviert. Glaubt mir, unter letzterer Erfahrung habe ich mehr gelitten als nach dem Sturz mit dem Rad.
Rings um die Wohnung, in der ich meine Leseecke habe, erstreckt sich ein wildromantischer Garten, der mir wochenlange körperliche Ertüchtigung verschaffen könnte. Allein - ich hasse diese Arbeit und bekomme schon nach einer Stunde hässliche Rückenschmerzen. So beschränkt sich meine gärtnerische Tätigkeit auf
die Töpfe im Zimmer und auf dem Balkon.


KREATIVES
Ein Blick in die Stoffkiste und meinen Kleiderschrank brachte die Idee, sich ein Ganzes Jahr lang keine Kleidung mehr zu kaufen. Ich besitze zwar weniger als manch andere Frau, doch nach meiner zweimonatigen Reise mit wenig Garderobe wurde mir wieder mal bewusst, in welchem Überfluss und welcher Verschwendung wir leben. Wenn also die Sachen unmodern oder langweilig sind, so zerschneide ich welche und setze sie neu zusammen. Ringsum sind auch etliche
Kinder in Verwandtschaft und Bekanntschaft, für die man Geschenke nähen kann.
Für meine geplante Radtour von Magdeburg nach Hamburg benötige ich kleine, leichte Gastgeschenke, wenn ich bei wieder per Couchsurfing unterwegs sein will. Also schnitze ich fleißig alle anfallenden Avocado-Kerne.
Größere Geschenke aus Sandstein sind auch fertig geworden.
Geschenkverpackungen baue ich aus leeren Kartons. Die Idee ist geklaut und das nennt sich in der Fachsprache upcycling. Natürlich nicht das Klauen, sondern die Umarbeitung von Abfall. Dürft ihr gern nachmachen. Meine ersten Fotos gibt es hier.




ERZIEHUNG
Das Leben wartet immer mit Überraschungen auf. Seit längerer Zeit lebt in unserem Haushalt ständig ein pubertierender Teenager. Das Zusammenleben mit ihm und seinem Erziehungsberechtigten fordert mir äußerst viel Geduld ab. Da man in jeder Aufgabe etwas Positives finden kann: Es ist eine extreme Lehrerfortbildung. Teilnahme kostenlos, mit Übernachtung.

FAMILIE & FREUNDE
Es ist beglückend, dass ich mir viel Zeit nehmen kann, Verwandte und Freunde zu besuchen, meine studierenden Kinder zu treffen oder mit ihnen zu chaten. Einfach mal länger bleiben, ins Cafe´einladen, spontan bei Mama übernachten.

FERNSEHEN & KINO
Damit habe ich vor knapp zehn Jahren aufgehört und keinerlei Verlangen. Wenn ich mich dann doch mal neben einen Konsumenten setze und halbherzig den Tatort schaue, bleibt danach stets das gleiche Gefühl: ohne diese Sendung hätte ich rein gar nichts verpasst. Dann lieber ein Kinofilm.
Im November gab es ein Lachmuskeltraining bei "Fack ju Göhte". Silvester habe ich mit meiner Mama und meiner Tochter gemeinsam "Belle und Sebastian" in der Schauburg gesehen. Es gibt so viele gute Filme, dass man sich mittelmäßiges Fernsehen sparen kann. Leider nicht die GEZ.

KULTUR & KUNST
In der Dreikönigskirche war im Januar Lisa Morgenstern zu hören. Dunkle Texte und dunkle Musik, den Titel "Lieber Tod" in einer Kirche zu spielen, war ein doppelt finsteres Erlebnis.
Im Februar durfte ich bei der Abschlussveranstaltung zum "Maria-Reiche-Projekt" in der Oberschule Weixdorf dabei sein und wieder wunderbares Schülertheater erleben.

Sicher habe ich das Eine oder Andere, was mich die letzten Monate beschäftigt hat, hier nicht erwähnt. Trotzdem sollte die Langeweilefrage nun hinreichend beantwortet sein.

Mittwoch, 29. Januar 2014

Eine Zugfahrt, die dritte!

Angespornt von den vielen positiven Rückmeldungen über meine Zugfahrten-Posts gibt es nun die aktuelle Story über meine Reise nach Dänemark - einmal hin und einmal zurück.
Foto: Dänemark. Kalt! Schön.

EINMAL HIN
Außer meinen sieben Sachen für eine Woche Besuch bei Freunden, bin ich mit Äpfeln, Möhren, Thermoskanne, Wolle und Häkelnadel , dem "Magazin", dem Buch "Hektor und die Entdeckung der Zeit" sowie erstmalig mit einem Smartphone super für die Neun-Stunden-Reise gerüstet.
Pünktlich und geruhsam lese ich ein wenig im "Magazin" und frühstücke. Von der angebotenen Tschokkolada (tschechisch) mache ich nicht Gebrauch und wie im Fluge ist die Zeit bis Berlin verflogen. Eine kleine Verspätung verschafft mir den Morgensport beim Treppenlauf zum nächsten Bahnsteig. So gesehen ist Bahnfahren auch sehr gesund. Außerdem sind die Leute auf der Rolltreppe immer langsamer als ich.
An meinem Tisch sitzt mir eine Handballerin gegenüber. Ihr sportliches Shirt mit Handball-Logo sowie die Lektüre einer Handballzeitschrift lassen keine Zweifel. Eine gepflegte ältere Dame mit Gehbehinderung quält sich den Gang entlang. Neben mir zum Stehen gekommen, fragt sie höflich, ob ich mit ihr den Platz tauschen würde und ans Fenster rücke. Dann könne sie ihr schmerzendes Bein in den Gang strecken. Hmmm. Am Fenster frieren ist doch besser als eine Gehbehinderung, denke ich, verstaue ihren Schirm auf der Gepäckablage und rutsche zur Seite. Die Leute ringsum frieren, vor allem die Frauen. Am Nebentisch unterhält sich ein Paar auf holländisch und ich nicke, weil ich verstanden habe, dass es auch um die Kälte ging. Bei der Fahrkartenkontrolle bittet die Handballerin den Zugbegleiter, die Heizung höher zu stellen. So etwas ginge im ICE. Nach einer halben Stunde sitzen wir immer noch in unsere Jacken eingewickelt da. Es ist richtig ungemütlich. Nun fordert die ältere Dame neben mir erneut mehr Wärme. Der Bahnbedienstete meint, mehr ginge nicht. Alle Frauen ringsum protestieren. Er darauf: "Meine Damen, wir haben 22 Grad!" Erneuter Protest. Schließlich ist es 10 Minuten später angenehm warm geworden und wir lächeln uns zufrieden an. Endlich kann ich mich entspannt in meine Zeitschrift vertiefen. Nach gefühlten zwei Sekunden klingelt das metallic-rote Handy der älteren Dame neben mir.
Laut. Richtig laut.
Binnen kurzem habe ich erfahren, dass Frau Haas neben mir sitzt, die aus Flensburg kommt und in Berlin war. Was sie sich dort angeschaut hat (Nikolaiviertel und Gedächtniskirche), erzählt sie mir aber selbst.
Dann erlebe ich erstmals live die Vorzüge eines Seniorenhandys. Während sie mit Nachdruck die Nummern ihrer Tochter, einer Reitlehrerin und eines Taxiunternehmens eintippt, hören wir alle gemeinsam die Zahlenansage: zwei - acht - neun - zwei - null - vier - vier...
Laut. Richtig laut.
So merkt jeder Nutzer gleich, ob er sich vertippt hat. Da Frau Haas aber wirklich nett ist, schwatzen wir ein bisschen. Woher, wohin. "Ach, nach Dänemark reisen Sie. Sehr schön. Sehr nett, die Dänen. Und die jungen Mütter, wissen Sie, das habe ich in den Einkaufspassagen beobachtet, die stehen mit den Kindern da und unterhalten sich, da holen die nicht wie hier in Deutschland ihre Handys raus. Die reden noch richtig miteinander." Ich finds lustig. Die Älteste im Abteil hat bisher ihr Handy am meisten genutzt.
Ein Herr steigt zu und will den letzten freien Platz an unserem Vierertisch einnehmen. Die Handballerin bietet ihm den Gangplatz an, und will selbst zum Fensterplatz zu rutschen, aber er protestiert höflich. "Aber sie fahren doch nur bis Neumünster" ,sagt da Frau Haas zu ihm. "Totale Überwachung hier!" entfährt es meinem Munde. Wir lachen.
Bis ich merke, dass über den Sitzen die rote Leuchtschrift die reservierten Plätze benennt.
Frau Haas hat gute Augen.
"Ja, aber ich habe absichtlich nicht den Gang gewählt, weil einen alle Leute anrempeln, während man liest.", schaltet sich der Herr wieder ein. Setzt sich ans Fenster und - nein, er liest nicht, er schläft.
In Hamburg wird unser Zug geteilt, eine Hälfte fährt nach Arhus, eine nach Kopenhagen weiter.
Dem Holländer stürzt der schwere Koffer in den Gang, als er ihn von der oberen Ablage zerrt. Die Reisenden auf den Gangplätzen ducken sich blitzartig und ich finde meinen Fensterplatz inzwischen optimal.
In Flensburg verabschieden wir Frau Haas und ich muss mit meinen Winterschuhen auf ihren Sitz klettern, um ihren Schirm aus der hintersten Ecke der Ablage zu fischen. Sie freut sich und die Handballerin und ich machen sichs bequem. Gleichzeitig packen wir unser gesundes Essen aus, sie Schwarzbrot und ich Möhren. Wir kauen und schwatzen. Sie erzählt, wie sie am Morgen in Berlin bei totalem Glatteis gleich erst mal hingefallen und nun mit verschmutzter Jacke unterwegs ist. Ich kann berichten, dass ich Gleiches am glatten Montag in Dresden mit meinem Fahrrad geschafft habe. Zufrieden stimmen wir überein, beide Glück gehabt zu haben, weil wir gesund und munter im Zug sitzen. Sie meint, ich solle Dänemark genießen und verabschiedet sich.
Kurzzeitig widme ich mich nochmal meiner Statistik "Wer macht was beim Zugfahren?" und komme nach mehrmaligem Durchwandern unseres Wagens (Toilette, Tee holen, Toilette) zu folgendem Forschungsergebnis: Handynutzung 9 Personen, Laptopnutzung 7 Personen, Tagebuch schreiben 3 Personen, Bücher lesen 3 Personen, Zeitung lesen 1 Person, E-Book lesen 1 Person, NICHTS tun oder träumen 1 Person.
Draußen eine unscheinbare flache Stadt mit kleinen Häusern. Von weitem sehe ich eine hohe und lange Stahlbrücke, bis ich freudig bemerke, dass dies die Bahnstrecke ist und unser Zug die Stadt in weitem Bogen und in luftiger Höhe umkreist. Ein toller Anblick, fast wie aus einem Heißluftballon. Nur nicht so kalt.
Wir fahren auf der Rendsburger Hochbrücke, welche 100 Jahre alt und eines der bedeutendsten Technikdenkmäler Deutschlands ist.
Fast unbemerkt überqueren wir die Grenze. Ohne die erneute Fahrscheinkontrolle des dänischen Zugbegleiters hätte ich es nicht mitbekommen.
"velkommen om board - om fa minutter ankommer vi til Koolding" lese ich am Display.
"... dass wir durch den Zug kommen Arhus an sechs" klingt in gebrochenem Deutsch die Ansage.
 Europa ohne Grenzkontrolle. Wie schön. Was meinen Kindern selbstverständlich ist, empfinde ich noch immer als bedeutsames Geschenk.
Sicher findet auch der junge Däne, der schräg gegenüber sitzt, diesen Länderwechsel völlig unspektakulär. Er hat sich einen großen Becher Kaffee geholt und telefoniert jetzt in einer geheimnisvollen Sprache, mal klingt es dänisch, mal tschechisch, mal etwas türkisch: chalal malo sarodje mechanica nasam. Ich schnappe einzelne Wörter auf und grüble und grüble. Dem Aussehen nach wirkt er eher südländisch. Groß, kräftig, dunkle Haare, bärtig, Lederjacke und helle Cargohosen. Als ein dänisches Paar zusteigt und sich an seinen Tisch setzen möchte, lächelt er freundlich und wechselt ein paar Worte auf dänisch mit ihnen. Dann beendet er seine Telefonate und legt das Smartphone auf den Tisch. Noch ehe er wieder nach seinem Becher greifen kann, fegt die Frau beim Hinsetzen mit ihrer sperrigen Tasche seinen vollen Becher direkt über sein Telefon und auf seine hellen Hosen. Ich halte den Atem an und befürchte Schlimmes. "Ohhh!" macht die Frau und hält ihre Tasche hoch. Der Typ erhebt sich, blickt an sich runter, schaut die Frau an und -
muss grinsen. Schnell hebt er das triefende Smartphon hoch und lässt den Kakao (ja, es war kein Kaffee) auf den Tisch tröpfeln. Die Frau hat inzwischen tausende Servietten aus dem Bordbistro geholt und wischt und schwatzt und lacht dabei. Nachdem sich der bekleckerte Hühne den komplett kakaobraunen Oberschenkel abgetupft hat, verschwindet er schmunzelnd auf Toilette. Bei seiner Rückkehr lachen nicht nur Täter und Opfer, sondern alle ringsum, die das Malheur mitbekommen haben.
Und ich verstehe endlich, was ich soeben erlebt habe: ein Paradebeispiel dänischen Humors!

EINMAL ZURÜCK
Schell ist eine Woche vergangen. Schon geht es nach Hause. Pünktlich starte ich am Morgen in Vejle. Es hat geschneit, der Fjord ist zugefroren. Meine Wagennummer gibt es nicht und ich setze mich auf einen völlig anderen Platz. Der Kontrolleur erklärt mir auf Dänisch, dass die Platznummern nicht stimmen. Ich verstehe kaum ein Wort, aber da ich weiß, was er meint, nicke ich und sage tak. Danke, Würstchen, Brötchen und ein paar Wörter mehr kann ich nämlich schon sprechen. In Fredericia sehe ich viele viele Züge mit Graffitis auf den Gleisen stehen. Mein Gegenüber blättert in einem Modelleisenbahn-Prospekt. Kommt eine hübsche blonde Frau mit einer großen Papiertüte an allen Plätzen vorbei und bietet fertig geschmierte Butterbrötchen an. Kostenlos. Der Däne an meinem Tisch freut sich und nimmt eines. Ich verstehe natürlich viel zu spät , was sie will  und lehne vorsichtshalber kopfschüttelnd ab. Der Herr lächelt mich an, erzählt etwas von Service und beißt genüsslich in sein Geschenk. Etwas ärgerlich über mich selbst schaue ich aus dem Fenster. Dabei gehe ich in Gedanken meine Typisch-Dänisch-Liste durch. Bei jeder Reise füllt sich eine Leerseite meines Kalenders mit den Besonderheiten des jeweiligen Landes. Diesmal habe ich gesammelt:
Dänischer Humor: Sie können über sich selbst lachen und nehmen böse Scherze, z.B. Silvesterknaller in der Mülltonne oder herausgezogene und vertauschte Briefkästen nicht übel. Kinderlieder sind auch etwas speziell. In der Sportstunde (Ja, ich durfte mit zum Kindersport und zur Morgenrunde in der Kirche!) sangen wir ein Lied, mit dem alle Körperteile benannt und angefasst wurden. Nach dem Rücken kam der Po und das letzte Wort im Lied war ein lauter Furz. Spätestens an dieser Stelle sang das letzte Kleinkind laut und verzückt mit.
Kälteempfinden: Bei minus drei Grad sah ich Leute in kurzen Hosen auf der Straße laufen. Bei minus fünf Grad fuhr ein Cabrio mit offenem Verdeck an uns vorbei. Dänische Kinder sind jeden Tag draußen und das Wetter ist oft ungemütlicher als bei uns.
Praktisch: In der Bibliothek leiht man Bücher in Selbstbedienung aus. Mit seiner Krankenversicherungskarte kann man ausleihen, abgeben und sogar nach Bibliotheksschluss bis 22 Uhr das Gebäude betreten. Aus allen Einrichtungen des Landes kann man Bücher in seine Heimatbibliothek bestellen. Im Urlaub im Ort A ausleihen und daheim im Ort B abgeben. Alles kostenfrei!
Mietet man ein Haus oder eine Wohnung, so gehören die Küche, technische Geräte wie Waschmaschinen sowie Einbauschränke in der Regel zur Mietsache dazu. Das erspart Transporte, Ein- und Abbauten und der Bauherr oder Vermieter legt Wert auf langlebige Technik und zeitloses Design.
Senioren: Ältere Dänen sind sehr gesundheitsbewusst und sportlich. Die 70-jährige Nachbarin joggt dreimal in der Woche und auch bei Minusgraden. Der freundliche "Seebär" vom Nachbarhaus läuft mit seiner Schneefräse gleichmal an den angrenzenden Grundstücken mit vorbei und kümmert sich auch um die Räumung der Straße.
Schule: Mit sechs Jahren ist Schulbeginn in der nullten Klasse. Nur in diesem Null-Jahr kann man sitzen bleiben. Danach wird man stets weiter versetzt und erhält viele Jahre keine Noten. Bis Klasse Neun gehen meist alle gemeinsam in die Schule, danach kann man verschiedene Wege einschlagen. In den Kindergruppen fiel auf, dass die meisten Sprösslinge hart im Nehmen sind. Wenn die Koordination noch nicht so ausgeprägt ist, geraten schnell mal zwei Köpfe aneinander oder Einer wird umgerannt. Na und? Aufstehen, Entschuldigung, Weitermachen. Wahrscheinlich ist diese Gelassenheit das Geheimnis, weshalb 20 Kinder plus ihre mindestens nochmal 20 Elternteile in einer kleinen alten Turnhalle so wenig Lärm verursachen.

Während ich meinen Gedanken nachhänge, bemerke ich gar nicht, wie lange wir bereits in Flensburg stehen.
"Werte Fahrgäste! Wir führen hier einen Triebwagenfahrerwechsel durch. Da unser Fahrer diesen Triebwagen nicht bedienen darf, verzögert sich unsere Weiterfahrt um ca. 60 min, bis der neue Fahrer aus Hamburg hier eintrifft. Wir bitten um ihr Verständnis." WAS? Während wir uns alle verwundert anschauen, erfolgt inhaltlich die gleiche Durchsage nochmals in Dänisch und in Englisch. Kurz darauf die dreisprachige Ergänzung, dass wir uns im Bordbistro kostenlos heiße Getränke abholen können. Bald sitze ich mit einem großen Tee und der Gewissheit am Platz, dass ich meinen Anschlusszug in Berlin niemals bekommen werde.
Die vielen Dänen im Zug schwatzen völlig entspannt, erzählen sich lachend etwas und teilen wahrscheinlich auch ihren Proviant. Freundlich erkundigen sie sich nach Anschlusszügen und überlegen, wie sie ihren Tag jetzt neu ordnen.Keine Hektik, kein Missmut.
Mein Gegenüber holt sich einen Kaffee und redet dänisch auf mich ein. Ich verstehe nichts und muss mich als Deutsche outen. Da lacht er und spricht in fast akzentfreiem Deutsch, um mir ein Schokobonbon zum Tee anzubieten. Diesmal lehne ich natürlich nicht ab. Er muss nach Nürnberg zur Spielzeugmesse und wird in Hamburg seinen Anschluss schaffen. Aha, daher die Modelleisenbahn-Prospekte. "Was denkst du, welche Spielzeugbranche ist die größte in Nürnberg?", lässt er mich raten. Nicht Modellbahnen, nicht Lego und auch nicht Computerspiele. Ich grüble.
Ein Tipp von ihm: "Es ist das älteste Spielzeug!" Fast hätte ich Puppen gesagt, da löst er das Rätsel:
Teddybären. Eine ganze Halle nur Teddybären!
Ein junges Mädchen neben uns übersetzt die wiederholten Durchsagen für einen jungen Dänen mit Nerdbrille vom Deutschen ins Dänische. Dann borgt er sich ihr Ladekabel fürs Smartphone und murmelt etwas wie "you save my day", als er endlich wieder Musik hören kann. Das Mädchen ist pfiffig. Als der Zugbegleiter ihr vorschlägt, eventuell den Zug zu wechseln, um eher Anschluss nach Kiel zu bekommen, winkt sie ab.
Bei 60 min Verspätung gibts mehr Geld zurückerstattet. Da hätte ich gar nicht dran gedacht. Sie löffelt gedankenverloren ihren Couscous-Salat und verschickt ein paar Nachrichten mit ihrem Handy. Das Lesen von Adler Olsens "Erbarmen" wird noch spannender, wenn ich nebenbei Geld verdiene.
Der Spielzeughändler klärt mich über seine Landsleute auf: "Wir Dänen wollen immer unser eigenes Ding machen. Und so haben wir Hunderte von diesen Zügen herumstehen und wenige können sie fahren. Die sind von einem italienischen Hersteller." Nun schwant mir etwas. In Fredericia hatte ich ungewöhnlich viele Graffiti-verzierte Züge gleicher Bauart gesehen. Auf Nebengleisen. Wenn sie dort so lange ungenutzt stehen, haben die "Künstler" natürlich richtig Zeit für ihre Werke.
Es ruckt und mit 58 min Verspätung geht es weiter. Ob die Bahn das auf 60 min aufrundet?
In Rendsburg fahren wir wieder über die tolle Brückenanlage. Am Kanal gäbe es ein Restaurant, in dem bei Vorbeifahrt eines Frachters dessen Ladung genannt würde und die jeweilige Nationalhymne des Herkunftslandes gespielt wird. "Keine Ahnung, ob es das noch gibt", meint der Däne und versucht mir die Stelle zu zeigen, an der er einmal gesessen und genau dies erlebt hat. Da ertappe ich mich, wie ich das sofort google. Das erste Mal mit mobilem Internet unterwegs und sofort wechsle ich in das Verhaltensmuster meines Sohnes. Freudig halte ich meinem Gesprächspartner das Display hin: "Hier, das gibts noch." Er strahlt: "Ah!"
Dann liest er in seinem Buch weiter. Simon Garfield "Why the World look the Way it does".
Warum die Welt so aussieht wie sie aussieht.
Bei einer meiner nächsten Zugfahrten könnte ich doch mal alle Buchtitel erfassen, die gelesen werden!
Aber schon sind wir in Hamburg, der nächste Zug fällt aus und ich muss eine neue Verbindung suchen. Der Bahnservice ist hier so schnell und freundlich, dass die Wartezeit sogar noch für einmal Fish and Chips reicht.
In Leipzig habe ich meinen Krimi zur Hälfte durch. Letztes Mal umsteigen. Mein Platz ist besetzt. Der junge Mann fragt mich ernsthaft, ob man fürs Reservieren etwas extra bezahlen müsse. Ich bejahe, setze mich aber auf den Platz daneben, weil es schließlich egal ist. Die Fahrkartenkontrolle kommt und er löst seinen ICE-Zuschlag nach. Als er den Preis hört, fällt er aus allen Wolken: "Zehn Euro??? Am Schalter bezahle ich 2,80. Da hätte ich doch auf den nächsten Regionalzug gewartet." Nützt nix, er muss zahlen. Ich verstehe, wie schmerzhaft die Erkenntnis für einen 28-jährigen Studenten ist, der gerade für 15 Pfund Leipzig-London-Leipzig geflogen ist. Wir diskutieren über die vielen Buslinien, die die Bahnstrecken übernehmen und ob das ökologisch nicht völliger Unsinn ist bei einem so ausgebauten Streckennetz. Vergleiche zu Australien, Schottland, Neuseeland und Indonesien kommen ins Gespräch und plötzlich ist meine Reise zu Ende.
Mit 115 min Verspätung. Ab 120 min gibts die nächst höhere  Entschädigung.
Bin gespannt, wie die Bahn das sieht.
Auf jeden Fall waren die zehn Stunden Reisezeit wieder einmal überhaupt nicht langweilig. Nur Wolle und Häkelnadel schmollen, weil sie nicht ein einziges Mal von mir aus dem dunklen Beutel heraus geholt worden.

Montag, 9. Dezember 2013

Eine Zugfahrt, die ist...

Man muss wirklich nicht um die halbe Welt reisen, um eine verrückte Zugfahrt zu erleben.
Dritter Dezember, Dresden-Hamburg, sechs Uhr morgens, Wagen acht.
Auf meinem Platz sitzt Einer, hat die Schuhe ausgezogen und die Füße hochgelegt.
Das ist mir egal, er ist nett und ich setze mich gegenüber hin, weil genug Plätze frei sind.
Die Anzeige der Bahn stimmt ohnehin nicht. Dafür, dass ich vier Euro für die Reservierung bezahlt habe, wird mein Sitz als frei angezeigt. Immerhin hat die Zugbegleiterin gute Laune.
Draußen ist es noch finster, um mich herum einige schlafende Herren und eine muntere Dame, welche ein Manuskript durcharbeitet.
Cappucchino? Nein, danke.
Zwei Seniorenpärchen steigen zu, suchen ihre Plätze. Bereits beim Hinsetzen übernehmen die Weiblichkeiten die Unterhaltung des Abteils. Meine Schwiegertochter ist auch über 50 und arbeitet viel zu viel. Sie darf keinen Fehler machen mit den ganzen Gehaltsabrechnungen. Immer macht sie Überstunden. Es gibt nur noch zwei Vollzeitstellen dort. Sag mal, Herbert, fahren wir mit Diesel oder elektrisch? Elektrisch.
Ich lege mein Magazin zur Seite. Einen Artikel habe ich geschafft: "zehn arten, wie man in einer situation sterben kann" von Kirsten Fuchs. Sehr witzig! Aber ich sitze im Live-Studio.
Die Dame mit dem Manuskript eröffnet das Telefonforum mit der Volkssolidarität um einen Pflegeheimplatz für ihren Onkel. Er stürzt ständig, kann sich nicht allein Essen kochen. Und dann die Körperhygiene. Sie wissen doch, dass er stark übergewichtig ist. Wie soll das funktionieren, wenn er mit seiner Hand nicht an den Allerwertesten kommt? Am Sonntag wird er aus der Kurzzeitpflege bei Ihnen entlassen. Wie soll das weitergehen?
Wer privat versichert ist, den kann die Volkssolidarität nicht aufnehmen, erfahre ich. Aha. Reisen bildet!
Die meisten Herren um mich herum schlafen nun nicht mehr und wir tauschen vielsagende Blicke. Eventuell hatten wir alle gleichzeitig das Bild vom dicken alten Herren mit heruntergelassener Hose und zu kurzen Armen vor unserem geistigen Auge.
Kaffee? Nein, danke.
Berlin Spandau. Neue Leute steigen ein. Da wird der letzte Schläfer plötzlich munter, stürzt hektisch durch den Gang zur Tür, verliert seinen Mantel, bekommt ihn zugereicht und verlässt den Zug glücklich im letzten Moment. Die wacklige Omi, die mit ihrem Gatten die Sitze neben mir belegt, findet das Handy ihres Vorgängers auf dem Sitz. Zu spät. Ich will ihr den Koffer in die Gepäckablage heben, doch sie hat Angst, dass ihn in Sylt keiner wieder herunter holt. So sitzt sie kerzengerade mit Koffer zwischen den Knien am Tisch. Ich bewundere sie fast dafür, diese anstrengende Haltung bis Sylt durchhalten zu können.
Was wohl alles im Köfferchen ist?
Eine Viertelstunde später erfahre ich, was NICHT darin ist: die Unterhemden für den Gatten.
Was willst du dann anziehen?
Er deutet brav auf sein kariertes Hemd und den wärmenden Pullover darüber.
Die waren alle frisch gelegt! Was willst du dann anziehen?
Ohne Regung im Gesicht wiederholt er leise: Na das, und zupft am Hemdkragen.
Die waren alle frisch gelegt.
Sein Blick wandert nach draußen.
Die waren alle frisch gelegt.
Ich häkle eine Mütze für einen Zwölfjährigen und da das Muster einfach ist, kann ich die Wiederholungen des Hemden-Mantras mitzählen. Sechsmal: Die waren alle frisch gelegt. Leider erfahre ich nicht, um wie viele es sich handelte, denn die Schaffnerin kommt und die Unterhemdenlegerin gibt das gefundene Handy ab.
Draußen fliegt der Nebel vorbei.
Da die Schwiegertöchterstorys endgültig erschöpft sind, tauscht die Altherrenriege technische Details aus. Auf dieser Strecke wurden vor dem Krieg erstmals Doppelstockwagen eingesetzt. Sechziger Baureihe. Aha. Reisen bildet.
Doch sofort beteiligt sich eine der Ehefrauen an der Diskussion und weiß zu berichten, dass eine ihrer Freundinnen dereinst von Riesa bis Gröditz beim Lokführer mitfahren durfte. Die war vielleicht stolz.
Auch mit der Gefahr, etwas Bildung zu verpassen, laufe ich zum Speisewagen, um mir einen Tee zu holen.
Dafür muss ich etliche Wagen passieren und fühle mich beim Hinausschauen wie auf einem superschnellen Laufband im Flughafen. Einsteins Relativitätstheorie. Welche Geschwindigkeit hat der heiße Tee in meiner Hand? Der Bordcomputer hilft mir weiter. Wir fahren gerade 195 kmh, 198, 197...
Ich verweile vor meinem Wagen und nehme mir vor, aufs Display zu starren, bis mein Tee mit mir gemeinsam 200 kmh erreicht hat. Geschafft! Mit den letzten Schritten sind mein Getränk und ich über 200 kmh schnell. Wir sind nicht angeschnallt, aber mein Tee hat wenigstens einen Plastehelm auf. Den Gedanken, was bei einem frontalen Zusammenstoß geschehen würde, verfolge ich dann doch nicht weiter.
Die Mütze ist fertig. Schwarz mit Neonrot.
Die "Analphabetin, die rechnen konnte" packe ich ungelesen in den Rucksack.
Hamburg.
Nach knapp fünfstündigem Kammerspiel.
Nach über einem Viertel Jahr darf ich gleich Lotti in die Arme schließen.
Wenn das kein Happy End ist!


Donnerstag, 28. November 2013

Anders reisen


Nach zweimonatigem Schlaf in fremden Betten möchte ich in diesem Post drei besondere Formen des Übernachtens und Reisens vorstellen.
1. WWOOFING
Wenn du bereit bist, täglich 4 bis 6 Stunden auf einer Öko-Farm zu arbeiten, bekommst du freie Kost und Übernachtung. Manchmal auch mehr! Zum Beispiel ein Fahrrad, Surfboard oder Paddelboot zur Nutzung.
Bei Jenny und John habe ich Kälber gefüttert, Eier gewaschen und sortiert, Eierkuchen gebacken und Kleidung geändert. Fazit: Gut geeignet für junge Menschen, aber als Rentnerin würde ich das gern mal länger probieren! Gibts in vielen Ländern, auch in Deutschland.
http://de.wikipedia.org/wiki/WWOOF
2. COUCHSURFING
Kenne ich schon seit einigen Jahren. Bisher war ich nur Host, das bedeutet Gastgeber.
Innerhalb eines Jahres hatten wir Gäste aus Amerika, Kanada, China, Belgien, Deutschland...
Bei meiner Reise durch Australien und Neuseeland war ich erstmals als Surfer unterwegs, habe also kostenlos einen Schlafplatz bekommen. Allerdings habe ich auch begriffen, dass Couchsurfing nicht einfach nur die Idee eines kostenlosen Schlafplatzes ist, sondern viel mehr.
Weltoffene Menschen möchten andere Kulturen kennenlernen und ihr eigenes Land vorstellen.
Deshalb bleibt es selten bei einem Schlafplatz. Man bekommt Stadtführungen, wird Freunden vorgestellt, bekocht, zum Flughafen gefahren...
In großen Städten wie Dresden oder Brisbane gibt es Communities, die zu Exkursionen oder Spieleabenden einladen.
Den oft gehörten Einwand: Ist das denn sicher, wenn du bei völlig Fremden übernachtest? kann ich entkräften. Ich lese das Profil des Gastgebers und seine Bewertungen. Er liest meins.
Dann bekommt man eine sms wie diese: "Ja, ihr könnt heute gern bei uns übernachten. Wir sind noch arbeiten, aber das Küchenfenster ist angekippt und ihr könnt die Tür von innen öffnen. Geht in die Küche und kocht euch einen Tee."
Wir haben uns ein bisschen wie Einbrecher gefühlt, auf diese Art das Haus von Menschen zu betreten, denen wir noch nie begegnet sind. Rückblickend kann ich sagen: Wir haben tolle Menschen kennengelernt.
http://de.wikipedia.org/wiki/CouchSurfing
3. AIRBNB
Dies ist keine kostenlose, aber eine kostengünstige, persönliche und oft sehr überraschende Art der Übernachtung. Auch hier bekommt man meist mehr als erwartet. Man muss ebenfalls angemeldet sein und ein Profil erstellen. Bevor man bei jemandem übernachtet, kann man dessen Foto, seine Hobbys und Bewertungen lesen. Wenn man sich dafür genügend Zeit nimmt, findet man immer interessante und weltoffene Leute. Jetzt müsst ihr euch mal die kleine Mühe machen, auf den jeweiligen Link zu klicken, um Fotos von unseren Gastgebern und den Wohnungen zu sehen.
Spencer in Sydney https://www.airbnb.de/rooms/952331
Hund Oscar, ein großes Meeresaquarium, ein Fitnessstudio im Haus und nur 10 min Fahrt bis zur Oper - ein genialer Platz.
Uta in Cairns https://www.airbnb.de/rooms/1485042
"Queensländer" sind offene, luftige Häuser, man sitzt sozusagen immer unter Palmen!
Stephanie in Wellington https://www.airbnb.de/rooms/999294
Einzigartig, wie wir in diese Großfamilie aufgenommen wurden!
Liz and Mike am Lake Tarawera https://www.airbnb.de/rooms/860901
Hier bekommt man Fahrräder und  Paddelboote dazu!
Anne und Barry https://www.airbnb.de/rooms/1624327
Ein Rucksack mit Taschenlampen lag für unsere Höhlentour bereit und im Flüsschen hinterm Haus kann man Aale füttern. Der große war einen Meter lang!
Trevor in Auckland https://www.airbnb.de/rooms/1087558
Ein großzügiges Zimmer, eine rote Couch mit Kuschelhund und interessante Gespräche mit einem Weinhändler.
FAZIT:
Nach so vielen liebevollen und umsichtigen Gastgebern fühlte ich mich in Motel und Campinghütte irgendwie fehl am Platz. Wir haben dies nur dreimal nutzen müssen, weil nichts anderes zur Verfügung stand und der Komfort war auch in Ordnung. Lange habe ich nach einer passenden Formulierung gesucht, um unser seltsames Gefühl an diesen Orten auszudrücken:
Man fühlt sich ausgeschlossen. Der Kontakt zu den Neuseeländern gehörte für uns einfach zum Reisegefühl dazu. Kultur zu erfahren hat immer etwas mit dem Austausch von Gedanken, Ansichten und Ideen zu tun.
Mir ist es nicht so wichtig, ob die Fliesen im Bad gesprungen sind oder der Herd geputzt ist.
Es reicht, wenn sich mein deutscher Ordnungssinn zu Hause ausleben kann.
Statt den Staubsauger zu bedienen, hab ich heute diesen Beitrag zusammengestellt.
Ich hoffe, ihr versteht das.

Samstag, 23. November 2013

Sweet Dreams

This post must be written in English because each night since I´m back in Dresden I dream from Australia or New Zealand. Really!
Night 1 to 4 I was walking trough the green rain forest with the big ferns.
Night 5 and 6 I was walking on the beach and sitting in a boat.
Last night ( number 7) Willi and I were driving with a car through the Craters of the Moon, the thermal activ area. Normally you can only walk there!
It´s a great present to get so beautiful memories after a long holiday.
















Craters of the Moon, New Zealand

Montag, 18. November 2013

Great Barrier Reef

Hier sind nun endlich die Bilder zu unserer Unterwasser - Erlebniswelt:
Dafür links bei "Bilder" einfach auf das Foto klicken.
Das Fotoalbum zum Wasserwandern findet man ebenfalls durch diese "Tür"
sowie alle meine öffentlichen Webalben bei Picasa.

Sonntag, 17. November 2013

Sonne, Strand und viel Bewegung

16.November
Heimreise. Seit über dreißig Stunden unterwegs, sitze ich endlich im Zug Richtung Dresden und kann die Füße hochlegen. Nicht bewegen können ist definitiv anstrengender als Sport treiben. Jedenfalls empfinde ich es so. 
Die vielen Stunden allein im Flugzeug habe ich mich mit Filmen und Dokus zugedröhnt. "Der große Gatsby" war ganz gut, aber ansonsten alles eher Unterhaltung. Hat mich nicht gefesselt. Das wirkliche Leben ist immer noch spannender als jeder Film. 
Nach unserem spektakulären Ausflug mit den Delfinen musste ich erst mal eine Schreibpause einlegen. Luft holen. Dabei haben wir uns danach gleich wieder in die Natur gestürzt. Das dürft ihr gerne wörtlich nehmen. 
In Ahipara gibt es nämlich Sanddünen. Dazu muss man sich ein Sandboard ausleihen, eine Stunde am Strand entlang wandern ( möglichst bei Ebbe), dann steht man davor. Hier fahre ich niemals herunter, war mein erster Satz. Nichts gibt's, einmal musst du es probieren. War schließlich deine Idee, die Dinger auszuleihen, werde ich zurechtgewiesen. Bergauf  nutze ich die schönen großen Fußstapfen meines Sohnes und jammere immer mal wieder, wie steil es doch sei, muss aber dann in Bauchlage den Steilhang hinab. 
Mit Füßen und Ellenbogen bekommt man das Brett auch zum Anhalten. 
Lenken lässt es sich kaum. Nach einer Stunde will Willi den Gipfel erklimmen, aber Buschwerk zwischen dem Sand ist hinderlich. So wandern wir ein Stück weiter am Ufer entlang und stehen kurz danach vor einer riesigen Wand aus Sand. Jetzt packt uns die Neugier. Wie sieht es hinter dem Gipfel aus? 
Der Aufstieg ist kräftezehrend. Ein Schritt vor, ein halber zurück. Der Sand rutscht um jeden Fußabdruck in Wellen nach unten. Es sieht aus wie Lawinen in Miniatur. Ich muss mich setzen und Luft holen. Die Sonne brennt. Willi läuft beharrlich im Zickzack und verschwindet hinter dem Kamm. Mein Ehrgeiz bröckelt. Das Brett haben wir beide mit auf die Düne geschleppt und bei jedem Schritt als Stütze in den Sand gerammt. Kurz vor dem Kamm kann ich den Vorkämpfer dann auf Rufweite einholen und fragen, wie es dahinter aussieht. 
Wüste. Sand. 
Einige Meter stapfe ich bergab. Dann düse ich die längste Sandstrecke meines Lebens eine Düne in Bauchlage hinab. Willi ist ganz oben gestartet, obwohl man von dort den Fuß der Düne nicht mehr sehen konnte. 
Als glückliche Eroberer packen wir unsere Sachen zusammen und laufen auf dem Highway zurück. Denn dies ist der Ninety - Miles-Beach, den man mit dem Auto befahren darf. Ohne Geschwindigkeitsbeschränkung, also bis 100 kmh. 
Das Wasser geht zurück und plötzlich kommt ein riesiger hinkender schwarzer Hund aus den Mangroven. Nein, nein! Ein Seehund robbt gemütlich wenige Meter vor uns ins Wasser, spielt in den Wellen und winkt mit seinen Flossen. Zeit zum Fotografieren bleibt nicht. 
Kurz darauf ist richtig Verkehr hier. Meist Jeeps, deren Fahrer jeden Felsvorsprung und jede Untiefe zu kennen scheinen. Das Stärkste ist ein Auto mit Anhänger, welches große Glasfenster transportiert. Wir halten uns dicht am Ufer und machen Platz. Alle grüßen freundlich. 
Am nächsten Morgen segeln wir bei Ebbe mit Blokarts am gleichen Strand. Der ist so breit, dass wir uns mit keinem Autofahrer ins Gehege kommen. 
Am Anfang sind die Windböen recht stark und ich bekomme Angst. So ein Gefährt hat keine Bremse! Es wird immer schneller und zum Stoppen muss man lenken. Aber die nette Frau vom Verleih zieht mich beharrlich aus dem weichen Sand, rennt hinter mir her und erklärt zum zweiten Mal. 
Langsam bekomme ich ein Gefühl für Windkraft. 
Am Ende ist es verblüffend, wie wir uns sogar entgegen der Windrichtung vorwärts bewegen können. 
An beiden Tagen hatten wir den Strand fast für uns allein. Ein paar Angler, einige Autos und ein Seehund. 
Und zwei Tage Sonnenschein für uns. 
Davor hatte es zwei Tage geregnet. 
In Frankfurt war es grau und kalt, jetzt blitzt etwas Sonne durchs Zugfenster. 
Nette Begrüßung in der Heimat, finde ich.

17.November
So sieht ein Blokart aus. Helm haben wir nicht bekommen. Das Foto stammt von der Website unseres Verleihers. Ob unsere Dünenfotos noch zu retten sind, weiß ich nicht, hoffe aber sehr, Willi kann die Dateien retten.
Weitere Posts sind in Arbeit. Momentan sortiere und bearbeite ich hunderte Fotos. Geduld!