Freitag, 22. August 2008

Schulstart

In sagenhafter Rekordzeit von 3 Tagen habe ich alle drei Schularten erlebt. Mittwoch war ich mit Kay an ihrer Schule, den Klassenraum fuer ihre 10 Farmer-Kids vorzubereiten. Ihre Schule beginnt mit dem Kindergarten, endet mit der High School und sammelt alle Kinder aus der Umgebung. Es ist ein altes Gebaeude mit Charme und ne Art Gesamtschule.
Gestern und heute durfte ich Rich in die High School begleiten. Gesamtlehrerkonferenz mit ca. 80 Lehrern war angesagt. Wie in Deutschland lieben die Vorgesetzten Kennlernspiele, Teamarbeit und staendig neue Methoden und Strategien. Waehrend ich mich noch still ueber die Aehnlichkeiten amuesierte, wurde es ploetzlich ernst. Alle Neuen, also auch ich, durften sich vorstellen. Der Prinzipal wusste sogar meinen Namen, doch den Rest musste ich selbst tun. Das war der schwerste Schritt fuer mich, meine ungelenken englischen Worte laut in den Raum zu sagen! Aber an Richs zufriedenem Laecheln konnte ich erkennen, dass ich mich wacker geschlagen hatte. So gab er mir die Namen der 4 Kunstlehrer und die Zimmernummern und ich zog los. Und ich muss sagen, sie sind alle ganz nett und das Beste ist, dass ich mich wirklich mit ihnen unterhalten kann. Manchmal suchen wir gemeinsam nach dem fehlenden Wort. Ich darf auf jeden Fall bei allen zuschauen. Als Gegenleistung bereite ich natuerlich auch einiges vor. Den Schuelern auf Englisch eine Aufgabe zu erklaeren wird dann wohl die heftigste Herausforderung.
Heute endete die Vorbereitungswoche mit einer Veranstaltung "Welcome back to school". Zuerst gab es fuer alle Lehrer des gesamten Schulbezirks Toertchen und Getraenke und ein kleines Geschenk von der Schulverwaltung. Danach gings in die Aula mit den Ausmassen unserer Staatsoperette. Dort spielte die Schulband, dann wurden Powerpoint und Kurzfilm gezeigt, alle Neuen namentlich begruesst und die Losung fuers Schuljahr propagiert: Imagine - Believe - Achieve! Bedeutet in etwa: Traeume haben, daran glauben, sie erreichen. Diese Schule ist die Vorzeigeschule im Staat, jeder Schueler ab Kl.9 erhaelt kostenlos einen Laptop geliehen. Das sorgte dann auch fuer Diskussionsstoff, denn die Lehrer sollen ihn oft im Unterricht nutzen und die Schueler... naja, kann sich jeder vorstellen, was die damit noch so anstellen koennen.
Schliesslich, als wuerden nicht schon genug neue Eindruecke auf mich einstuermen, war an Lottis Middle School gestern "Open Day". Hab ich einfach mal mit Tag der offenen Tuer uebersetzt - aber falsch gedacht. Es war der erste Elternabend. Wir bekamen einen Packen bunter Kopien, die wir ausfuellen muessen. Lotti erhielt ihr Schliessfach, denn Schultaschen sind aus Sicherheitsgruenden verboten. So wird sie am Montag wie in den bekannten Filmen mit Buch unterm Arm losziehen.
Und ich werde am Montag einfach zwischen den ueber 1000 Schuelern abtauchen. In den Pausen gestern und heute habe ich immer Orientierungslauf durch die High School trainiert. Das Gebaeude ist ebenerdig mit Zimmernummern bis ueber 800 und ich bin eine Frau. Jeder gruesst kurz mit Hi! oder fragt, ob ich was suche. Wen Bilder interessieren, dem empfehle ich die Webseite der Schule (lesen kann man dort natuerlich auch):
www.watertown.k12.sd.us/schools/srhigh/default.htm
Man sieht u.a. die Bilder aller Lehrer. Ausserdem werden alle Zensuren in den Computer geschrieben und Eltern und Schueler koennen zu Hause immer sehen, wie ihr Notenstand gerade ist, wann sie gefehlt haben, welche Hausaufgaben es gibt usw.
Der Parkplatz um die Schule herum ist riesig, denn die Mehrzahl kommt mit dem Auto.
Die Sporthalle ist geradezu eine gigantische Arena. Ich hoffe, wenigstens ein Spiel der Arrows life zu erleben, solange ich hier bin. Sport ist unheimlich wichtig hier. Lotti hat jeden Tag eine Stunde. An jeder Schule gibt es einen Chor und eine Band. Der Stundenplan haelt fuer jeden Tag 8 Stunden bereit. An der Middle School dauert eine Stunde 50 min, an der High gibt es 4 Blocks zu je 90 min. Allerdings sind im Sommer 3 Monate Ferien!
Ich hoffe, ich habe euch nicht mit zu vielen Fakten zugetextet, doch das hiesige Schulsystem interessiert mich neben der Sprache eben auch.
Damit ich zum Ende noch mal das Thema wechseln kann: wir haben immer noch Sommerwetter, jedoch mit heftigen Stuermen. Das sollen die Auslaeufer von Florida sein. Heute Abend hat der Wind gedreht und so werde ich morgen vielleicht wieder im See schwimmen koennen. Gestern waren die Wellen so stark, dass ich meine morgendliche Strecke im Wasser joggen musste.
Abends lese ich immer vor dem Einschlafen in "Little house in the big wood". Hab ich in Kays Grundschule geborgt. Also denn - gute Nacht!

Dienstag, 19. August 2008

Endlich Fotos!

Ab sofort koennt ihr Fotos anschauen. Dazu einfach auf das linke obere Foto klicken und dann das Amerika-Album auswaehlen.
Seit dem letzten Eintrag hat sich wieder viel getan. Gestern sind wir umgezogen, da Rich und seine Familie nach der zweiwoechigen Belagerung durch 5 Deutsche jetzt vor dem Schulstart etwas mehr Ruhe brauchen. Nun sind wir Nachbarn, denn wir wohnen nur 2 Haeuser weiter. Richtig: wir haben ein eigenes Haus am See. Mit allem Komfort, wie Wasserbett, Internet, Spuelmaschine, Trockner, Dvd-Player usw. Hier koennen wir erstmal 2 Wochen wohnen. Das Haus gehoert Sue und Alan, die in Florida arbeiten. Ich hatte Sue beim Schwimmen im See kennengelernt und Lotti hat oft etwas mit ihrer Tochter Sarah unternommen. So easy ist das hier.
Gestern war ich ausserdem erstmals beim Tubing (siehe Fotos). Es war lustig, aber ich ueberlasse es zukuenftig der Jugend. Wenigstens habe ich angesichts meines Muskelkaters heute die Absicht.
Die weitere und naehere Umgebung konnten wir auch erforschen. Ausfluege fuehrten mich nach Sioux Falls zu den Wasserfaellen, ins Fort Sisseton und zum Nicollet Tower. Lotti hat es etwas weiter gebracht und ist mit der Jugend nach Minneapolis (Staat Minnesota) gereist. Ich habe sogar etwas mitgebracht bekommen: ein T-Shirt der MOA = Mall of America, dem groessten Einkaufs- und Vergnuegungszentrum der Welt!
Auch die kleinen Ausfluege mit dem Fahrrad haben ihren Reiz, wenn man Pelikane und Streifenhoernchen trifft. Alle Leute, die man trifft, gruessen freundlich. Sobald sie merken, dass man aus Germany ist, beginnen sie Gespraeche ueber ihre Reisen oder die ihrer Kinder.
Morgen treffe ich erstmals "Kollegen", da ich Kay in die Grundschule begleite, um das Zimmer fuer den Schulstart am Montag vorzubereiten. Sie arbeitet in einer kleinen, alten Farmer-Schule ca. 20 Meilen von hier. Freitags darf ich immer mit zu ihr.
Donnerstag und Freitag gehts dann erstmals in die Highschool, die Kunstlehrer kennenlernen.
In den Ferien war ich ja bereits mit Rich Middle- und Highschool anschauen, aber die Anforderungen an mein Englisch waren noch sehr milde, da er mich stets vorstellte.
So bin ich nun riesig gespannt, wie das Abenteuer weitergeht.

Sonntag, 10. August 2008

Zum ersten Mal

Alles im Leben tut man zu einem bestimmten Zeitpunkt zum ersten Mal. Vor drei Tagen bin ich zum ersten Mal mit Kays Wagen durch Watertown City gekurvt, in Unkenntnis der meisten Verkehrsregeln. Bis heute konnte die mir keiner vollstaendig erklaeren, vor allem fuer die Vorfahrt bei gleichrangigen Strassen nicht.
Kay meinte: Ich warte immer und Rich faehrt durch...
Unser Gruener Pfeil ist allgegenwaertig: bei Rot darf man immer rechts abbiegen.
Vorgestern habe ich die Wasserski ausprobiert. Resultat: dreimal abgetaucht und ein paar blaue Flecke. Doch Rich meint, wir wuerden das schon noch schaffen.
Gestern durfte ich mit "Rusty"(Rostig), Richs Landrover, den Anhaenger vom Wasserscooter aus dem See ziehen und heimbringen. Zur Freude aller wurde eine kurze Einweisung gegeben, wonach jeder Wasserscooter fahren durfte. Ganz allein hab ich meine Kreise uebers Wasser gezogen, bin ueber Wellen gesprungen und hab full speed getestet. Lotti wollte am liebsten ueberhaupt nicht wieder aufhoeren damit. Ist aber auch ein geiles Fahrgefuehl.
Das Wochenende brachte viel Besuch und viele Gespraeche. Dabei lernt man eine Menge neuer Woerter. Solche schreibe ich immer in mein Notizbuch. Dort stehen dann die verruecktesten Wortlisten.
Auszug: hotflashes = Wechseljahre, flyswatter = Fliegenklatsche, arrow = Pfeil, bikepass = Radweg
Ich weiss nicht, wieviel ich in spaeteren Jahren davon noch brauche, aber hier dient es der besseren Verstaendigung. Interessant wird es ja immer dann, wenn es um die kleinen und grossen Unterschiede unserer Lebensweise geht. Dazu gibts aber mal einen extra Blog, denn hierzu haben Lotti und ich nach einer Woche schon massenweise Entdeckungen gemacht.
Die allumfassende sei hier im voraus genannt: das Leben laeuft wesentlich gelassener ab als in Deutschland und das ist bisher recht angenehm!

Mittwoch, 6. August 2008

we are here!

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!
Unsere Reise war bereits vor ihrem eigentlichen Beginn aufregend. wir bangten noch Stunden vor dem Abflug in Dresden, dass die Maschine nach Frankfurt trotz der Streiks startet. Die Tickets fuer den Nachtzug nach Frankfurt waren bereits ausgebucht. Nun denn, der Flug war schliesslich der erste, der nach ner Woche wieder stattfand. Beim einchecken am Vorabend die zweite Ueberraschung: wir durften vorab einchecken, nur unser Gepaeck mussten wir wieder mitnehmen. Wir kamen uns schon ziemlich verarscht vor von der Lufthansa! Also Dienstagfrueh 5 Uhr gaben wir dann das Gepaeck auf und hatten bis Chicago eine entspannte Reise. Im Flugzeug sahen wir auffallend huehnenhafte Menschen, in Amerika ist ja bekanntlich alles groesser, nicht nur Nutella-Glaeser! Ausgerechnet vor Lotti sass eine Amerikanerin, der man noch eine Sicherheitsgurt-Verlaengerung bringen musste.
In Chicago trat ein, was wir befuerchteten: die Zeit wurde knapp. Sehr knapp. Hunderte Menschen vor den 3 Einreiseschaltern. Nach 1,5 Stunden hatten wir endlich Fingerabdruecke und Foto hinter uns gebracht. Koffersuche...ergebnislos. Auf 10 oder mehr Baendern kreisten Gepaeckstuecke, nur die Anzeigetafel, zu welchem Flug welches Stueck gehoerte, hatte laengst gewechselt, als wir in der Schlange standen. Schliesslich erkannten wir die Koffer am Aeusseren. Wertvolle Zeit verloren. Noch 15 Minuten bis zur Boarding Time!
Einer netten, aber leider sehr schwer zu verstehenden Dame gaben wir unsere Koffer ab und sie erklaerte uns den Weg zur Zubringerbahn fuer unser Terminal. Chicago ist ETWAS groesser als Dresden. Am Gate angekommen gings ins Flugzeug nach Sioux Falls. Gluecklich und stolz lehnten wir uns zurueck, landeten weich und puenktlich und fielen unserem Gastpapa Rich in die Arme. Alles hatte geklappt. Fast! Hier folgt das geliebte DENKSTE, welches Willi schon so oft begegnet ist. Unser Gepaeck war nicht mit uns geflogen. Rich half uns beim Aufgeben der Suchmeldung und fuhr uns 1,5 Stunden auf einer schnurgeraden Strasse durch flaches Land bis Watertown. Unterwegs merkte besonders Lotti, wie anders, geradezu doerflich es aussah. Umso erfreuter genossen wir die herzliche Begruessung durch Kay, Richs Frau. Eine Fahrt mit dem Boot auf dem wunderbaren See gleich am Haus entschaedigte uns vorerst fuer das Gefuehl, nicht ganz vollstaendig zu sein. Sonnenuntergang, Mondschein, Lagerfeuer und gute Gespraeche (in Deutsch und Englisch) liessen den Tag ausklingen. Ich bin sehr stolz zu Bett gegangen, nachdem Michael, Richs aelterer Sohn, mir versicherte, wieviel besser als vor 2 Jahren mein Englisch geworden ist. Damals war er mein Gastkind und mein Englisch bestand aus ca. 10 Saetzen.
Heute Mittag wurde nun endlich unser Gepaeck hergebracht, so dass die Welt wieder in Ordnung ist. In Gedanken hatte ich schon eine Einkaufsliste notiert, auf der zuallererst Badesachen standen.
Da Rich ausser uns noch eine Cousine mit Familie zu Gast hat, ist er mit diesen heute weitere Verwandte besuchen. Lotti hilft Jacob bei seinem Ferienjob und auch Michael ist arbeiten. So huete ich das Haus, kann nach Herzenslust den See geniessen uns spiele ein wenig mit Ruby, der Hundedame des Hauses.
Das ist fuers Erste alles, der See ruft! Schreibfehler muesst ihr ertragen, ich muss mich erst an die andere Tastatur gewoehnen und zum Korrekturlesen hab ich einfach mal keine Lust heute.

Dienstag, 15. Juli 2008

Am Start

Es ist soweit: Seit 4 Tagen darf ich meine Arbeitskraft nach meinem Gutdünken einsetzen oder schonen. Was liegt nahe? Erstmal feiern! Nun habe ich nach etlichen Tagen Party, Besuch und Kulturevents (schöner Schaubudensommer) wieder Lust auf ganz einfache Aufgaben. Ein wenig ist auch noch zu tun vor der großen Reise ins unbekannte Land.
Zuerst genieße ich diese Woche noch die Anwesenheit von Cathy, Lottis Gastschülerin aus Frankreich. Die zwei Monate mit ihr sind schnell vergangen und waren entgegen meiner Befürchtung keine zusätzliche Belastung, viel eher eine Bereicherung. So haben wir erstaunliche kleine Unterschiede zwischen unseren Ländern und Gewohnheiten festgestellt. In Frankreich bekommt man sein Zeugnis mit der Post, in der Schule gibt es keine Frühstücksbrote und der Teller kann nach dem Essen eigentlich wieder in den Schrank, weil er blitzsauber mit Brot gereinigt wird. Wir haben aber auch ernsthaftere Dinge besprochen, wie zum Beispiel Sarkozys Schulpolitik. Oder das Erscheinungsbild der überstylten jungen Mädchen in Deutschland. In Frankreich zählt mehr die natürliche Schönheit. Die Mode dagegen ist dort viel einheitlicher als in Deutschland.
Ach, ja - am 19. gibt es sicher Tränen beim Abschied. Doch in einem Jahr darf Lotti dann den zweimonatigen Gegenbesuch antreten.
So bleiben Lotti und mir dann noch zwei Wochen, um den Schulstoff der neunten Klasse vorzuarbeiten. Denn nach Amerika nehmen wir keine Schulaufgaben mit.
Auch ich habe noch "Unterricht". Selbstverständlich intensiv Englisch mit meiner Privatlehrerin Siobhan, die bald hier einzieht und während unserer Abwesenheit die Wohnung hütet. Außerdem will ich mich endlich an die Powerpoint Präsentation über Dresden wagen. Da ich erstmals damit arbeite, wird das sicher einige Zeit in Anspruch nehmen.
Das Korrekturlesen von Willis Reiseberichten aus Neuseeland wird die angenehmste Aufgabe.
Insgesamt fühle ich mich eigentlich ganz normal wie am Anfang jeder Ferienzeit:
Ein Wunschzettel mit vielen zu erledigenden Aufgaben und Vorhaben liegt auf dem Schreibtisch. Der Zettel ist so lang wie immer, aber die Zeit dafür ist diesmal wirklich großzügig bemessen.

Dienstag, 27. Mai 2008

Veränderungen

Ja, ich weiß, es ist längst Zeit für einen neuen Blogeintrag. Aber seit dem letzten überschlagen sich die Ereignisse bei mir geradezu.
Inzwischen sind es nicht mal mehr 50 Tage bis zum Tag "X"!
Ich hätte nicht gedacht, dass das freie Jahr bereits jetzt seine positiven Schatten vorauswirft. Mit dem Hintergedanken, bald soooooooooooo viel Freizeit zu besitzen, sage ich zu allen möglichen und unmöglichen Vorschlägen ja. Und siehe, es fügt sich auf wundersame Weise ganz Vieles in den normalen Arbeitsalltag ein:
"Kerstin, kannst du die Abschlussklasse nach Italien begleiten?-Na ja." Also ab und eine Woche im April nach Rimini, San Marino und Venedig. Bei diesen Reisezielen kann man auch 60 Halbstarke im Schlepp ertragen. In Venedig rief mich mein Töchterchen an, um mit honigsüßer Stimme zu fragen, ob wir nicht für 2 Monate einen Gast aufnehmen könnten. "Mama, Willis Zimmer ist doch frei...!"
Kurz darauf feierten wir Doppelgeburtstag und Jugendweihe machten zu Pfingsten einen Kurztrip nach Hamburg (unbedingt empfehlenswert), um am nächsten Wochenende Cathy, Lottis Austauschschülerin aus Frankreich zu empfangen. Ach, und zwischendurch waren Abschlussprüfungen mit einem Stapel Korrekturen für mich angesagt.
Nun, inzwischen sind die Korrekturen vom Tisch und ich bin mit meiner zweiten Tochter sehr zufrieden. Cathy ist ein froher Mensch, hilfsbereit und sie spricht und versteht wirklich gut deutsch.
Das nächste Projekt startete bereits. Nur soviel sei verraten, es ist etwas Künstlerisches, Handwerkliches und eine Gemeinschaftsarbeit. Mehr kann ich an dieser Stelle aber noch nicht verraten, da es ein Geburtstagsgeschenk wird. Vielleicht gibt es beim nächsten Blogeintrag ein Foto.
So will ich zum Schluss bemerken, dass die Vorfreude auf kommende Zeiten jetzt schon Früchte trägt. Ich fühle mich tatkräftig und offen, sehe viele Dinge sehr entspannt, obwohl ich genauso arbeiten muss wie vor einem Jahr.
Arbeiten und Arbeiten kann eben etwas sehr Verschiedes sein. Die Sicht auf die Dinge scheint mir sehr wesentlich.

Donnerstag, 14. Februar 2008

150 Tage, die heiße Phase

Wie viele Wünsche passen in ein Jahr?

Der Gedanke begleitet mich nun bereits 4 Jahre, seit ich mich entschieden habe, weniger Verdienst gegen mehr Freizeit zu tauschen. Als ich von der Möglichkeit eines Sabbatjahres erfuhr, begann ich fieberhaft zu rechnen, ob ich das finanziell bewerkstelligen würde. Heute weiß ich, dass dies geht- vorausgesetzt man ist bereit, auf einigen Luxus und Sicherheiten zu verzichten. Mein Auto wird dieses Jahr volljährig, die pfiffige Oma erspart mir Friseurkosten, ohne Berufsunfähigkeitsversicherung kann man auch arbeiten, ein rostiges 7-Gang-Fahrrad schafft eine 100 km Tour und die Kinder müssen nicht jedes Jahr in den Urlaub fliegen oder teure Markensachen tragen... die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Fazit: Es geht, auch wenn man mit seinem Gehalt für 3 Leute haushalten muss.
Nun liegen nur noch 150 Tage vor mir, bevor ich meine Wunschkiste öffnen darf.

Wunsch Nr.1: Englisch lernen
Ich möchte endlich so gut englisch sprechen können, dass ich mir traue etwas zu sagen und dass ich bei Reisen über mehr als das Essen, den Weg oder das Wetter reden kann. Leider musste ich zu DDR-Zeiten Französisch und Russisch lernen. So habe ich nur englische Fetzen aus dem Alltag aufgeschnappt und diese zu den merkwürdigsten grammatischen Unmöglichkeiten zusammengebastelt. Seit letztem Herbst treffe ich mich regelmäßig mit meiner australischen Tandempartnerin Siobhan. Wir bringen uns gegenseitig unsere Muttersprache bei. Das ist eine effektive Vorbereitung für meine Amerika-Reise und macht richtig Spaß. Jedes Mal soll ich ein anderes deutsches Märchen auf Englisch erzählen, manchmal machen wir eine Radtour, gehen ins Theater oder bummeln.
Am 5.August wird es Ernst in punkto Fremdsprache:
Mit Lotti werde ich 9 Wochen nach Süddakota reisen! Dann müssen und dürfen wir jeden Tag englisch reden, denn außer dem Land werden wir das echte amerikanische Highschool-Leben kennenlernen. Sie als Gastschülerin in einer 9.Klasse und ich als Assistentin der Kunstlehrer. Ich hoffe sehr, dass wir das Pensum von einem Jahr Englischunterricht vielleicht in wenigen Wochen bewältigen und einige Vorurteile zum amerikanischen Schulsystem über Bord werfen können.
Wunsch Nr.2: Computerkenntnisse
Ja, der erfüllt sich momentan schon! Eltern und Computer - viele Kinder schütteln darüber nur den Kopf, können nicht nachvollziehen, wie meine Generation ohne Telefon und Auto großgeworden ist. Plötzlich ging alles ganz schnell. Mein großer Sohn Willi (despo-on-tour@blogspot.com) lebt und arbeitet seit fast einem halben Jahr am anderen Ende der Welt. Wen sollte ich nun fragen, wenn der Computer streikt? Wie chattet man? Was ist ein Blog? Selbst als vorsichtige Mama habe ich mittlerweile vieles prima im Griff und kann mir ein Leben ohne DSL nicht mehr vorstellen. Meine mütterliche Neugier und Sorge hat mich schnell im Netz vorangebracht und lässt mich mit viel Stolz und Vergnügen an Willis verrückten Erlebnissen teilhaben.
Wunsch Nr.3: Reisen
Lehrer müssen in den Ferien reisen, immer wenn die Flüge am teuersten und die Urlaubsorte am vollsten sind. Manche Freunde konnte ich bisher nie besuchen. Das will ich in meinem freien Jahr mit Vergnügen nachholen. Eine Studienfreundin erwartet mich in Litauen, eine ehemalige Kollegin in Belgien, Freunde arbeiten gerade in Venezuela...die Liste wird sicher noch länger.
Wunsch Nr.4: Zeit für die Kunst
Die hatte ich zuletzt während des Studiums. Im Hinterhof liegen Sandsteinblöcke für Skulpturen, auf der Staffelei steht eine vor zwei Jahren begonnene Leinwand und im Keller lagern seit Urzeiten Stoffe zum Nähen. Sicher gab es in den letzten Urlaubszeiten auch kreative Momente. Aber zu wissen, dass man sich eine Woche, einen Monat oder länger in ein Projekt verbeißen kann, ist ein verführerisch freies Gefühl in der Kunst. Welch verrückte Fotos mit einem Scanner möglich sind, habe ich nur in Ansätzen erkunden können (siehe Kalender 2008 am linken Rand).
Die angebotene Mitarbeit als Assistent for Art Teachers an der Highschool wird mich außerdem über den Tellerrand schauen lassen.
Wunsch Nr.5: Gammeln
Ziellos an einem Sommertag an der Elbe entlang bummeln. Im Bett liegen bleiben und ein spannendes Buch sofort zu Ende lesen. Fünfmal in der Woche abends lange weggehen, weil gerade so viel Kultur auf einmal geboten wird und ich früh ausschlafen kann. Und weit und breit ist kein Termin in Sicht, der mich abhalten könnte, dies zu tun.
Wunsch Nr.6: Das nächste freie Jahr organisieren
Das Modell des Sabbatjahres hat seltsamerweise niemand genutzt, den ich kenne. Obwohl es allen Lehrern angeboten wurde, um in Zeiten sinkender Schülerzahlen überflüssige Arbeitskräfte zu sparen. Keine Ahnung, warum sich niemand traut aus dem Arbeitsleben zu entfliehen. Zu wenig Ideen für so viel freie Zeit? Angst vor dem Wiedereinstieg? Verlust von Rentenansprüchen? Der Arbeitsplatz ist jedenfalls sicher. Nun sollen diese Verträge nicht mehr angeboten werden. Aber mittlerweile bin ich zuversichtlich, einen anderen Weg zu finden, um in 5 Jahren Gleiches zu tun.

Als sorgsame Mama war ich 20 Jahre für die Familie da, ging voll arbeiten und tat für den Betrieb meines damaligen Partners in der 2. Schicht auch noch mein Bestes. Meine Arbeit machte ich meist gern, doch vor lauter Aufgaben blickte ich nicht sehr weit. Die Welt ist aber viel größer! Und es gibt immer Alternativen zu dem, was man meint tun zu müssen. Ich bin überzeugt, dass ich die richtige Wahl getroffen habe. Die einen investieren in Wohneigentum, Auto, Urlaubsreisen, Fitness oder Nageldesign. Ich habe mich für LEBENszeit entschieden.
Der Flug nach Amerika ist bereits gebucht.
Mein Schatz wird mich in den zwei Monaten vermissen, doch dank Internet werden wir uns gedanklich nahe sein können. Liebe kennt keine Entfernungen.
Sobald die Reiseplanungen weiter fortgeschritten sind, wird es den nächsten Blogeintrag geben. Lotti und ich sind schon sehr aufgeregt, wie es uns in der Fremde ergehen wird. Nun, so ganz fremd wird es zu Anfang nicht. Eine Woche zum Eingewöhnen werden wir bei Willis ehemaligem Gastpapa Rich in Watertown wohnen, bevor wir uns ein eigenes Domizil suchen.